Lesempfehlung: Stefan Zweig – Brennendes Geheimnis

brennendes geheimnis

Mit zwölf Jahren lebt Edgar am Rand seiner Kindheit. Die Menschen in der Welt der Erwachsenen erscheinen ihm als »lose Puppen und totes Spielzeug», und so lebt er »hart hinter den Träumen, dem Unwirklichen und Unerreichbaren«, bis er sich gerade von denjenigen, denen er bislang mit Vertrauen, Liebe, Gläubigkeit, Respekt begegnet ist, verraten fühlt. Sie zwingen ihn geradezu, den Riegel seiner Kindheit wegzuschieben, hinter ihr Geheimnis zu kommen, das er sich nicht zu deuten weiß. Er ist mit der Mutter, seiner Gesundheit wegen, auf den Semmering gefahren und glaubt dort unverhofft in einem jungen Baron einen Freund gefunden zu haben – doch er muß sehr schnell erkennen, daß dessen Freundlichkeit nicht ihm, Edgar, sondern der Mutter gilt. Mehr und mehr fühlt er sich zurückgesetzt, mehr und mehr spürt er, wie die Erwachsenen ihn belügen, wenn sie sich auf das konzentrieren, was ihm noch verschlossen bliebt und um so stärker als Geheimnis in ihm brennt. Es wird ihm schmerzlich – aber er muß diesen Weg einschlagen, die Vorstellungswelt des Kindseins allmählich verlassen und in die Fremdheit des Unbekannten hineinschauen, auch wenn es sich für den Augenblick noch mit einem ahnungslosen Vorgefühl begnügen darf.

  • Inhaltsangabe des S. Fischer Verlags

Kuck-Kuck ihr Leseratten!

Ich griff zu diesem Buch ohne wirkliche Vorkenntnisse. Ich hatte Zweigs Schachnovelle gelesen und in seiner „Sernenstunden der Menschheit“ geblättert und gestöbert, doch mehr als allgemeine Vita war mir nicht zu Zweig oder diesem Buch bekannt. Somit ging ich mit etwas falschen Erwartungen an die ganze Sache heran, denn der kurze Satz, der auf dem Einband meiner etwas älteren Ausgabe steht, ist etwas irreführend… Irgendein Junge und ein Geheimnis… Ich machte mich auf eine Art Familiendrama mit dunklen Geheimnissen aus der Vergangenheit gefasst.
Was das angeht wurde mir bald klar, dass es ganz so nicht aussehen würde – und war begeistert von dem, was ich las!

Klar, ihr müsst hierfür auf alte Sachen stehen. Die Sprache damals ist nunmal eine andere gewesen. Ich finde Zweig schreibt wundervoll und auch überaus verständlich, aber diese gewisse Staksigkeit der damaligen Art muss nicht jedem zusagen, was in keinster Weise dramatisch ist.
Zumal es ja auch nicht nur die Sprache ist, der Aufbau und die Dramaturgie damaliger Zeit war noch anders.
…doch das wäre ein anderes Thema zum Besprechen^^

Es geht also nicht um ein altes Familiengeheimnis, sondern um das noch viel ältere Geheimnis des Erwachsenwerdens!
Eine wundervolle und gern aufgegriffene Thematik, doch ich fand es selten derart schön ausgeformt wieder.
Zweig schafft es als erwachsener Mann wie kein Zweiter, die Gedankenwelt eines Kindes offen zu legen und das zu zeigen, was Kinder von Erwachsenen trennt.
Wenn man die Welt durch Edgars Blickwinkel sieht, hat man tatsächlich das Gefühl, wieder zu einem Kind geworden zu sein. Zweig stellt seine kindlich – naiven Gedanlen derart authentisch dar, dass sie einem plötzlich verständlich werden, obwohl sie einem Erwachsenen nur albern erscheinen können.
Man versteht, dass es eben eine bestimmte Art von Nichtwissen ist, welches die Kinder Kinder sein lässt.

Was nach meinem Geschmack auch total für Zweig spricht ist, dass er unglaublich respektvoll schreibt. Man merkt, er sieht Kinder nicht nur als nervige Halbmenschen an, von denen man erwartet, dass sie doch bitte endlich erwachsen und vernünftig werden, sondern er blickt auf den kindlichen Geist und sieht ihn als etwas Eigenständiges und Bewundernswertes, welches jedes Recht auf Aufmerksamkeit hat.
Ich glaune, diese Sicht war damals auf jeden Fall nicht üblich, das kommt auch im Buch ganz klar zum Ausdruck.
Diesbezüglich fand ich es auch sehr interessant, inwiefern sich die Gesellschaft gegenüber den Kindern verändert hat… und welche Punkte in gewisser Weise immernoch zutreffen.

Es ist also wirklich ein empfehlenswertes Buch für jeden, des fasziniert vom kindlichen Denken und dem Erwachsenwerden ist.
Man kann es wundervoll auch mal zwischendurch lesen, da die Handlung, wenn sie zwar auch für den Jungen unglaublich dramatisch scheint, an sich überschaubar ist (das ist übrigens auch ein total toller Zug… Die Situation an sich ist sehr alltäglich, doch für Edgar bricht eine Welt zusammen und er wird an seine absoluten Grenzen gebracht… Eben die Welt aus Kinderaugen).
„Brennendes Geheimnis“ ist mit etwas über 100 Seiten würde ich sagen kurzweilig, eben eine Erzählung.
Sie bereitete mir einige sehr schöne Stunden und ich hoffe, auch einige von euch können gefallen daran finden.

Genießt das Lesewetter 😉
Eure Luna

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