Leseempfehlung: Galsan Tschinag – Der Wolf und die Hündin

TschinagGalsan

Bild: http://www.mongolei.de/Medien/buecher/galsan_tschinag.htm


»Das aufregende, traurige und rührende Schicksal eines Wolfes und einer Hündin erzählt dieser seltsame, wunderbare Mongole Tschinag auf Deutsch, weil er lange hier gelebt hat, und sein Deutsch ist gewissermaßen reiner als unseres, vom übermäßigen Gebrauch abgenutztes.«
– Ulrich Greiner, Die Zeit


Ein Wolf und eine Hündin haben sich zusammengetan, sind ein Paar, die Hündin ist hoch trächtig. Auf ihrer gemeinsamen Jagd haben sie für einmal buchstäblich auf das falsche Pferd gesetzt, nämlich auf ein gesundes, das den beiden die letzten Kräfte abverlangt. Ermattet und mit voll geschlagenen Bäuchen werden Wolf und Hündin nun von den Menschen verfolgt, von Jägern und Schamanen. Es wird eine lange, qualvolle Flucht […].
– Inhaltsangabe der Webside des Unionsverlag

Seid gegrüßt ihr Lieben!

Heute möchte ich euch eine kleine und schmale Erzählung empfehlen, die auf mich beim Lesen einen märchenhaften Zauber legte.
Märchenhaft auch daher, da es tatsächlich wie ein Märchen ist…
Galsan Tschinag, ein Stammeshäuptling und Schamane aus der Mongolei, doch auch verwurzelt in Deutschland, nimmt uns in seinen Geschichten gerne mit in seine ferne und uns so fremde Welt: Er verarbeitet in diesem wundersamen Buch eine alte Sage seiner Heimat, die den Zusammenschluss eines wilden Wolfes und einer zahmen Hündin beschreibt.

Ich bin ganz ehrlich, Tiergeschichten bin ich sehr skepisch gegenüber. Dennoch zog mich dieses Büchlein sofort in seinen Bann, als ich es in der Bücherei stehen sah. Durch Familie und Freunde habe ich seit meiner Kindheit einen engen Bezug zu den Lebensweisen der Indianer, Mongolen und Tibeter, sprich ich konnte gar nicht anders, als hinein zu lesen..

Ich wurde auch nicht enttäuscht, denn so, wie es zu vermuten war, handelte es sich nicht um eine einfache Tiergeschichte! Es wurde mit völlig anderen Maßstäben an die Tiere heran gegangen, als wir es aus westlicher Literatur kennen.
Wir erleben eine ungewöhnliche Liebesgeschichte dieses ungleichen Paares, begleiten sie auf ihrer gehetzten und dramatischen Flucht und sind dabei ganz nah in ihren Gefühlen.
Hier möchte ich einfügen, dass ich es nicht ausstehen kann, wenn Tiere vermenschlicht werden (in Kinderfilmen ist das natürlich etwas anderes… Ich liebe Zeichentrick^^), oder aber, bei weitem schlimmer, wenn die Natur romantisiert wird.
Doch Galsan Tschinag lief nicht eine Sekunde Gefahr, mich zu verärgern.
Ja, er erzählt aus eine Liebesgeschichte aus Sicht zweier Tiere, er gibt ihnen Gedanken, Gefühle. Doch es ist eben nicht diese verkitschte Form, das ist kein Gedusel. Die Gedanken sind oftmals so rau, wie es eben im Tierreich zugeht. Und trotzdem ist es eine wundervolle Liebesgeschichte.
Ich war unglaublich fasziniert, wie Tschinag es schaffte, anhand von Tieren eine malerische Studie menschlicher Psychologie zu schaffen. Mehr noch. Er hat es geschfft, alles menschliche im Tier und vor allem alles tierische im Menschen sichtbar zu machen.
Es war, als blickte man als Mensch in dieser Geschichte in einen verzauberten Spiegel, der in wundervollen Bildern und Mythen die Realität schonungsloser und ehrlicher als jeder Bericht beschreibt.

Dann ist da noch Tschinags Sprache… Er ist wirklich ein Wortmagier! Man muss so eine Sprache wirklich mögen… Aber wenn man eine Vorliebe für ausschweifende, poetische Sätze hat, für traumhafte Beschreibungen romantischer Landschaften… Wenn man gerne mal eine Pause hat von unserem so herunter gebrochenen Deutsch, dann wird man ihn lieben! Ich konnte es einfach nicht fassen, dass jemand, fremd dieser Muttersprache, sie aus dem Morast der Alltagssprache heben und zu ihrem alten Glaz bringen konnte! Auch wenn ich moderne Literatur liebe und auch für ihre Sprache schätze, manchmal sehne ich mich doch danach, dass unsere Sprache wieder einen edleren Farbton annimmt… Diese Farbe habe ich bei Tschinag gefunden.

Somit kann ich diese Erzählung wirklich jedem empfehlen, der Prosa liebt, die durch ihre Sprache schon fast Dichtung ist (so, wie Hesse sich auch in seinen Romanen als Dichter verstand)… Ihr werdet hier auf ein Buch treffen, dass nicht nur den Menschen mit seiner animalischen Seite Portraitiert, im Laufe der Geschichte geht die Bedeutung immer weiter voran und schließlich befinden wir uns mitten in diesen großen Fragen… Und Tschinag gibt uns einen poetischen Einblick in seine Sicht auf die Welt, die Wahrheit, die Ralität, das Glück, die Zeit…
Ist der Handlungsstrang oberflächlich betrachtet zwar sehr simpel, für mich war die Erzählung dennoch unglaublich spannend und mitreißend… durch die Sprache, die Inhalte, die zwischen den Zeilen stehen, aber auch einfach, weil Tschinag es wirklich gut meistert, den Leser an die tierischen Protagonisten zu fesseln, sodass einem fast der Atem stockt, so sehr fiebert man mit und hofft, dass sie es schaffen und den Menschen entkommen können.

Ein kurzes Lesevergnügen, von welchem ich mir wünschte, es möge niemals enden…

Vielleicht konnte ich ja euer Interesse wecken… ^^

Also, schiebt den Schnee beiseite und erfreut euch am Frühling,
es grüßt
die Luna 😉

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