Rezension: Ferdinant von Schirach – Der Fall Collini

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Was treibt einen Menschen, der sich ein Leben lang nichts hat zuschulden kommen lassen, zu einem Mord?

Vierunddreißig Jahre hat Collini als unbescholtener Werkzeugmacher bei Mercedes gearbeitet. Und dann tötet er anscheinend grundlos einen alten Mann. Ein Albtraum für Anwalt Caspar Leinen, der die Pflichtverteidigung übernimmt: Das Opfer, ein hoch angesehener Mann, ist der Großvater seines besten Freundes. Schlimmer noch, Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Leinen beginnt zu recherchieren und stößt auf eine Spur, die ihn mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte …
– Klappentext des btb-Verlags

Aloha meine Lieben!

Ich habe nicht vor, zu diesem Buch gesonderte Empfehlung und Rezension zu schreiben, ihr findet beides in einem Beitrag, aber säuberlich getrennt, also keine Angst vor Spoilern 😉
Ich bin ganz ehrlich, ich kann niemandem dieses Buch empfehlen, es streubt sich einfach alles in mir. Vielleicht hätte ich mit Schirachs Kurzgeschichten in sein Werk einsteigen sollen, das hätte dieses Buch zwar nicht besser gemacht, mir aber vielleicht einen besseren Gesamteindruck von Schirach gegeben.
Das Buch verspricht eine interessante Debatte über Recht und Moral, über Schuld und Gewissen. Und thematisch gibt es das auch auf jeden Fall her. Man kann definitiv einige interessante Gedanken daraus mitnehmen, man erhält einen interessanten Einblick in das Justizwesen, der durch Schirachs Berufserfahrung auch fundiert ist… Das wars dann aber auch schon.
Die Charaktere sind meiner Meinung nach nicht zu genüge ausgearbeitet, alles erscheint mir sehr willkürlich und zufällig… Es ist, als hätte Schirach alles zusammengedichtet, damit es passt, ohne Rücksicht auf Verluste zu nehmen, wodurch eben nichts mehr passt.
Die Sprache ist ein absoluter Graus, sodass ich mehrmals den Gedanken in mir erwischte „Es gibt Nebensätze, bitte benutze sie doch verdammt!“ Ich meine, man kann gerne eine karge Sprache haben, doch irgendwo sind auch Grenzen, ich habe immerhin kein Interesse daran, etwas zu lesen, das genauso gut ein Deutschschüler hätte verfassen können. Natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen Schirach etwas ausschweifender wird, er die Umgebung genauer beschreibt, doch so wirklich kann man es ihm nicht abnehmen. Es liest sich nicht flüssig und oftmals sind es auch absurde Beschreibungen, die nichteinmal auf subtile Weise begeistern können. Man kann gerne einen Charakter durch eine seltsame Eigenheit definieren, doch dies muss gekonnt sein.
Ich weiß gar nicht, was ich an dieser Stelle noch groß schreiben soll, bis auf dass das Buch in keinster Weise zufrieden stellt, wie ich finde…
Doch das sieht natürlich auch immer jeder anders, deswegen hoffe ich, dass sich niemand angegriffen fühlt, der dieses Buch gerne gelesen hat. Ich sehe es als selbstverständlich, niemanden für seinen Geschmack zu bewerten.
Ich würde euch noch einige andere Rezensionen verlinken, auch welche, die positiv ausfallen. Dann könnt ihr euch selbst nochmal einen Überblick verschaffen 😉
Schirach ist nunmal eine absolute Größe deutscher Literatur, ich sehe es fast als meine Pflicht, mich mit ihm auseinander zu setzen. Das soll nun auch nicht falsch ankommen, doch vielleicht versteht ihr ja, wie ich das meine. Er ist nunmal in dem Genre, in welchem ich selbst gerne veröffentlichen möchte, sehr anerkannt, also will ich einfach wissen, wer er ist und was er schreibt….
Habt ihr denn auch schon etwas von ihm gelesen oder gehört? Falls ihr Gedanken zu ihm habt, würde ich mich über Kommentare freuen 😉
Übrigens hoffe ich, dass nicht der Eindruck entsteht, ich hätte diesen Blog gestartet, um mich über andere Autoren zu stellen und Bücher nieder zu machen. Ich meine, wer bin ich schon? Ich habe rein gar nichts vorzuweisen und sogar der „schlechteste“ Autor ist mir haushoch überlegen. Ich wollte eigentlich auch niemals eine schlechte Kritik schreiben, ich mag diese Schwingungen nicht, die damit einher gehen..
Doch dieses Mal konnte ich einfach wirklich nicht anders, vor allem auch, da es eben so ein anerkannter Autor ist. Nun ja, ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht krumm…
Weitere Rezensionen:
FAZ

Nun also weiter ans Eingemachte… Wer Interesse hat, hier nun die Spoilerreiche Rezension, wer nicht mag, kann gerne etwas schöneres machen ❤
Zur Sprache muss ich wohl nichts mehr sagen.
Was mich aber wirklich verrückt gemacht hat, mit welcher Willkür Schirach vorging und wie wenig er die Personen rational beziehungsweise eben irrational hat handeln lassen.
Zunächst konnte ich mich einfach nicht damit anfreunden, dass dieses Buch auf einen einzigen Zufall aufgebaut ist, der als eine absolute Selbstverständlichkeit dargestellt wird. Ich meine, wie wahrscheinlich ist es bitte, dass das Opfer ausgerechnet Hans Meyer, Leinens Quasi-Stiefopa ist. Und wie passend, dass diese beiden nicht nur gemeinsame Erinnerungen, sondern auch noch der tragische Tod eines geliebten Menschen verbindet. Für mich war as alles viel zu konstuiert, es hat auf so eine schrecklich ausgedachte Weise zueinander gepasst… Und wurde dann aber nicht einmal entsprechend umgesetzt. Es war so extrem viel Stoff da, doch der wurde einfach ignoriert. Da müssten doch auch eindeutig Schuldgefühle bei Leinen sein, dass er Hans Meyer nach dem Tod seines besten Freundes nicht behr besuchen konnte/wollte. Aber null. Klar, man merkt, er ist wirklich mit seinen Nerven am Ende, und auch, wenn ich ein Liebhaber der Subtilität bin, es gibt dennoch Dinge, die man aussprechen sollte.
Die Figur Johanna erscheint mir auch sehr aus der Luft gegriffen… Es wirkt, als hätte Schirach unbedingt eine Frau gebraucht, die nichts und niemanden mehr hat – und schwupp, da ist sie! Johanna, Ehe kaputt, Leben in England, niemand scheint ihr beizustehen, Familie bekanntermaßen ausgelöscht… Aber zum Glück hat sie Leinen, der sie einige Sommer anbetete, dem sie einemal vor Jahren einen bedeutungslosen Kuss gegeben hatte… Und mit dem sie natürlich ins Bett springt. Also klar, ich verstehe, dass sie durchaus aufgewühlt ist und Nähe sucht und an und für sich halte ich es für gar nicht so unwahrscheinlich, dass sie miteinander schlafen würden, immerhin sind sie auf eine seltsame Art unauslöschlich miteinander Verbunden, sozusagen die letzten Überlebenden gemeinsamer Erinnerung, dennoch ist diese ganze Affaire so seltsam herauf beschwört. Und bei bestem Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass Jonannah nach dem ersten Telefonat nicht auch nur noch einmal mit einem Vorwurf um die Ecke kommt. Immerhin ist Leinen eben dabei, das Letzte, was ihr geblieben war, zu zerstören, er stand auf der Seite des Feindes. Natürlich ist Sinn dieses Buches, eben nicht nur in Täter und Opfer zu denken, doch jemand in ihrer Situation nimmt sich denke ich nicht die Zeit, zu differenzieren. Und sollte sie doch solch ein selten rationaler Mensch sein, so ist mir das nicht durch den Text bewusst geworden.
Dann ist da noch Collini, auch dieser erscheint mir zu konstruiert. Fast unwirklich. Ich weiß nicht, warum, aber Schirach scheint es wichtig gewesen zu sein, jemanden zu beschreiben, der fast an Frankenstein erinnert, doch mir kam es derart unpassend vor.
Nicht mal das Ende mochte mich überzeugen. Gut, also ich fand wirklich gut, dass Collini sich umgebracht hat. Dadurch blieb eben alles offen, es wurde kein Urteil beschlossen, alle bleiben mit Fragen zurück – und jeder muss sich selbst die Antworten geben. Wir müssen für uns entscheiden, was rechtens ist. Das fand ich wirklich wirklich klasse. Auch muss ich zugeben, dass Schirach es bei der Verhadlung wirklich gut geschafft hat, Spannung auf zu bauen. Die Rückblenden waren gut eingesetzt und ich gebe zu, ich habe die letzten Seiten derart verschlungen, dass ich überrascht war, als ich die Seite umblätterte, und sie plötzlich leer war.
Insofern fand ich das schon wirklich gut… bis auf dass ich denke, man hätte das Ende besser aufgreifen können… Und ich es wieder unpassend fand, mit welcher Eintracht Johanna und Leinen am Ende zusammen saßen…
Nun, das war nun alles doch sehr negativ und irgendwie tut mir das sogar leid…
Ich werde es definitiv weiter mit Schirach probieren! Vielleicht können mich seine Kurzgeschichten mehr überzeugen…
Ich hoffe, wenigstens ihr hattet Spaß an der lektüre, solltet ihr das Buch gelesen haben…
Beim nächsten Mal bin ich mit Sicherheit eine freudenvollere und positivere Luna 😉
Ganz liebe Grüße zum Abend
sendet euch
die Luna ❤

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2 Antworten auf „Rezension: Ferdinant von Schirach – Der Fall Collini

  1. Was den Roman angeht, kann es ich nicht beurteilen, weil ich ihn nicht gelesen habe. Aber die Kurzgeschichten von Schirach sind auf jeden Fall lesenswert. Gerade weil sie in so reduzierter Form so komplexe Geschichten erzählen. „Verbrechen“ kann ich dir auf jeden Fall empfehlen.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich will Verbrechen auch wirklich unbedingt noch lesen. Ich denke, bei Kurzgeschichten kann es auch um einiges besser funktionieren… Aufgegeben habe ich ihn für mich in keinstem Fall, er ist auf jeden Fall jemand, von dem man sich viel mitnehmen kann! Ich fand auch seine Diskussion mit Richard David Precht über das Gute und Böse im Menschen total interessant, gibt es auf Youtube. Er ist ein sehr eigener Mensch, wie ich finde, und irgendwie mag ich das^^

      Gefällt 1 Person

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