Leseempfehlung: Daniel Kehlmann – Du hättest gehen sollen

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Bonjour!

Hach ja, ein Kehlmann muss mal wieder her^^
Gelesen habe ich dieses Büchlein vor einer ganzen Weile schon, doch es fiehl mir nun per Zufall wieder in die Hand und da dachte ich gleich an euch!
Ein Buch, dass ich am liebsten nich Empfehlen würde, sondern jedem einfach nur in die Hand drücken und rufen „Na los! Jetzt lies schon endlich!“
(Sollte irgendwann mal kehlmann was passieren muss ich hoffen, dass ich ein gutes Alibi habe… So enthusiastisch wie ich überall von ihm Schwärme, würde ich wahrscheinlich direkt als psychopatischer Fan zur hauptverdächtigen!
Doch nun zum Buch 😉

Ein einsam gelegenes Ferienhaus. Tief unten das Tal mit seinen würfelkleinen Häusern, eine Serpentinenstraße führt hinauf. Das kalte Blauweiß der Gletscher, schroffer Granit, die Wälder im Dunst – es ist Dezember, Vorweihnachtszeit. Ein junges Ehepaar mit Kind hat sich für ein paar Tage dieses komfortable Haus gemietet, doch so richtig aus der Welt sind sie nicht: Das Kind erzählt wirre Geschichten aus dem Kindergarten, die Frau tippt Nachrichten auf dem Telefon, und der Mann – ein Drehbuchautor, von dem ein Produzent den zweiten Teil seiner erfolgreichsten Komödie erwartet – schreibt Ideen und Szenen in sein Notizbuch. Aber mehr und mehr notiert er auch anderes – eheliche Spannungen, Zwistigkeiten, vor allem die seltsamen Dinge, die rings um ihn geschehen. Denn mit dem Haus stimmt etwas nicht.
Daniel Kehlmanns phantastische Erzählung ist im doppelten Wortsinn unheimlich, die Spirale in den Abgrund entwickelt einen starken Sog – umso mehr, als dem Schrecken etwas zur Seite gestellt wird: die wechselnden Stimmungen in der Familie, das Nebeneinander von Liebe und Gereiztheit, die Sorge um das Kind. «Das Geheimnis ist, dass man sich ja doch liebt.» Ist es so? Allmählich verschwimmen die Konturen, und der Boden beginnt zu wanken.
– Inhaltsangabe der Internetseite des Rowolt Verlages

Tatsächlich mal eine Inhaltsangabe vom Verlag, die ich überdurchschnittlich gelungen finde^^

Dieses schmale Büchlein von gerade mal 90 Seiten sind die Notizbuchaufzeichnungen des Drehbuchautors, der einen harmonischen Familienurlaub geplant hatte. Ich gestehe, ich war am Anfang etwas abgeschreckt davon. Nicht, dass ich eine Erzählung in der Tagebuch-Form generell ablehnen würde, doch ich hatte einige Vorbehalte, da mir die Perspektive zu simpel erschien.
Doch es dauerte nicht lang und ich war komplett im Bann! Man liest Ideen und Dialoge vom zukünftigen Drehbuch, aber eben auch persönliches – und anderes, was man hier nicht verraten darf^^

Generell muss ich enorm aufpassen, kein Wort zu viel zu schreiben, deswegen sage ich nur noch so viel:
Diese Erzählung liest sich spannend wie ein Krimi und hat mich persönlich mit ordentlichen Kopfschmerzen und einer kleinen Krise zurück gelassen.
Kehlmann beschäftigt sich generell sehr gerne mit der Wirklichkeit, mit der Realität… Man merkt seinen Werken immer dieses Interesse an den Naturwissenschaften an. Hier ist es absolut auf die Spitze getrieben, er hat sich diesbezüglich übertroffen.
Er bringt in diesen 90 Seiten die Realität derart zum Wanken, dass ich selbst nach der Lektüre in meinem dunklen Zimmer auf dem Bett im Schein der Nachttischlampe saß und nicht mehr wusste, wo ich bin, wer ich bin, ob ich überhaupt bin, was noch alles ist… Wie man heute auch sagt: Brainfuck vom feinsten.
Was dort passiert hat mich zutiefst verstört und ich möchte es am liebsten jedem empfehlen, doch ich glaube, für viele kann es eben auch nichts sein.
Wer wert darauf legt, dass ein Roman immer realistisch ist, ist hier an der falschen Adresse. Man sollte harte Lektüre bevorzugen, die einem in die Magengrube tritt und vor allem sollte man einen offenen Geist für alternative Wirklichkeiten haben. Wer das alles mitbringt, kann mit diesem Buch wundervolle und großartige Stunden verbringen!

Zum Abschluss noch mein Lieblingszitat 😉

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In diesem Sinne,
liebe Sommergrüße
von einer schwitzenden Luna ❤

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10 Kommentare zu „Leseempfehlung: Daniel Kehlmann – Du hättest gehen sollen

Gib deinen ab

  1. Ich habe auch schon mein Autorenhonorar überwiesen bekommen. 🙂 Danke, chrisundblog. Viel Spaß beim Lesen, hoffentlich bekommst du das Buch bald.

    Tja, Luna, beim Kehlmann scheiden sich unsere Geister. Ich fand, das war das schlechteste Buch, das ich von ihm gelesen habe; eine etwas krude Mischung aus Shining, Solaris und einer gothic novel aus dem 19. Jahrhundert. Es las sich, als ob er beweisen wollte, dass er so etwas auch schreiben kann – was ihm dann aber doch nicht ganz gelungen ist. Die beklemmende Zwischenwelt, in der sich der Protagonist befindet, scheint mir bei „Picknik am Wegesrand“ von den Brüdern Strugatzki abgekupfert. Tarkowski hat das unter dem Titel „Stalker“ verfilmt. Das ist sicher nicht das schlechteste Vorbild; ich habe es bei meiner Erzählung „Tradition“ auch schon verwendet. Besser gut geklaut, als schlecht selbst erfunden. Das Büchlein ist mit Sicherheit eine Erzählung, die so nebenzu entstand oder vielleicht auch ein wiederausgegrabenes Frühwerk ist. Auch scheint mir das Lektorat sehr oberflächlich gewesen zu sein.

    Übrigens ist der Tip von chrisundblog, Jasper Ffordes „Thursday Next“-Romane zu lesen – zumindest die ersten 3, dann schwächeln sie etwas – hingegen sehr gut. Ich liebe die Bücher und wollte, ich könnte so humorvoll und intelligent schreiben.

    Grüße in die Runde

    Gefällt 1 Person

    1. So, hier werden sich nun unsere Wege trennen!
      😉

      Hmm, also ich kenne offen gestanden kein einziges dieser Bücher^^ Doch mein Interesse an ihnen allen ist geweckt… Ich muss generell sagen, dass ich was Thriller oder Spannungsromane nicht ganz so belesen bin, demnach vllt auch wenig Vergleichspotential habe, dennoch glaube ich, dass ich selbst dann diesen Roman lieben würde^^ Mir kam eigentlich nichts daran gewollt vor und mich persönlich hat es einfach richtig gut mitgenommen. Er spricht darin genau das an, was mich am meisten verstören kann. Aber da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich Werke aufgenommen werden 😉

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  2. Das liest sich wieder sehr interessant und ich mag ja besonders solche Bücher, die von der Norm abweichen. Aber ich muss aufpassen, dass mein SuB nicht noch furchteinflößender wird, als er es ohnehin schon ist 😀
    Zunächst ist erstmal Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren an der Reihe. Das habe ich mir heute nämlich bestellt. Und hätte ich gewusst, dass mein Exemplar extra für mich gedruckt wird, wäre meine Bestellung noch größer ausgefallen 😀

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    1. Na, da sag ich mal lieber nicht, dass diese Erzählung derart schmal und spannend ist, dass du sie in einien Stunden durch hast 😉

      Ui, das freut mich total! Und ich hoffe, ich werde dann in zwei Wochen hier keine Hasskommentare lesen, wie ich dir nur diesen Schund empfehlen konnte… Ich sollte mich vllt absichern und unter jede Rezi „Bestellung auf eigene Gefahr“ schreiben 😉
      Ich hoffe, du wirst viel Freude damit haben… Und auch davon berichten 😉

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      1. Ach, um Hasskommentare musst du dich bei mir nicht sorgen. Selbst wenn ich wider Erwarten völlig enttäuscht sein sollte. Literatur zählt zur Kunst, ebenso wie die Musik, und da entscheidet vorrangig der individuelle Geschmack darüber, ob (mir) etwas gefällt oder nicht. Daher fällt es mir auch immer sehr schwer, eine Wertung abzugeben, die sich auf mein Empfinden der Qualität bezieht – nur weil mir etwas nicht gefällt oder ich es für mich als schlecht empfinde, muss es ja noch lange nicht tatsächlich, oder für andere, schlecht sein.
        Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt und hoffe, dass sich das Wetter bis zur Lieferung etwas abgekühlt hat. Bei der aktuellen Hitze kann ich mich nicht mal auf’s Lesen konzentrieren 😀 Und im Anschluss versuche ich mich dann gerne ebenfalls an einem Bericht oder einer Rezension 🙂

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      2. Da bin ich ja froh 😉
        Es ist tatsächlich so eine Sache mit den Empfehlungen… Immerhin ist alles absolut persönliches und subjektives Wahrnehmen^^
        Auch, wenn das allen bewusst ist, wird dann auch gerne mal abfällig über bestimmte Geschmäcker gesprochen, was ich eigentlich schade finde…
        Bin gespannt, was du dazu sagen wirst! Übrigens lese ich soeben den zweiten Teil… Doch es stimmt, die Hitze macht den kopf langsam^^

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      3. Andererseits passt die Hitze bestimmt zur Geschichte und dem Amazonas, gerade jetzt, da es zunehmend schwüler wird…
        Die sollen sich einfach mit dem Druck beeilen, nächste Woche habe ich Urlaub, dann will ich etwas lesen können 🙂

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  3. Danke für diese schöne Buchenpfehlung! Du hast recht – die Inhaltsangabe ist wirklich gelungen geschrieben!
    Kehlmann kenne ich tatsächlich noch gar nicht, aber wenn du so begeistert von ihm scheinst, dann werde ich das zukünftig ändern! 🙂
    Liebe Grüße!!

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    1. Oh ja, das musst du definitiv ändern! 😊
      Hab zu Hause ihm noch eine Rezension zu Tyll, die ich ganz vergessen habe zu verlinken😅
      Auch sehr zu empfehlen 😉
      Ansonsten kann man auch ruhig bei seinem bestseller „die Vermessung der Welt“ einsteigen^^

      Gefällt 1 Person

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