Kürzestgeschichte: Wie Esel

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Wenn ich jetzt gehen würde, du würdest mich nicht aufhalten. Würdest nicht mit verschränkten Armen in der Tür stehen. Würdest mir nicht nachlaufen und hallenden Schrittes meinen Namen durchs Treppenhaus rufen.
Du würdest in deinem Sessel sitzen, würdest sagen: „Ja, dann geh doch einfach!“. Nichts könnte deinen Stolz erweichen. Du würdest nur sitzen und dich über meine Sturheit ärgern.
Ich hätte die Tür ins Schloss geschmissen, die Schultern zuckten beim lauten Knall und mit der Tasche überm Arm würde ich jede Stufe schneller und schneller nehmen, um deiner geballten Engstirnigkeit zu entkommen. In mir wäre ein Kloß, doch ich würde ihn nicht beachten. In meinen Kopf würden sich Bilder drängen, wie ich mich umdrehe, wie ich die Tür öffne, doch auch das ließe ich nicht zu. Ich würde auf die Straße unter den Himmel treten und dabei nicht sehen, wie dein Gesicht in deinen Händen läge, wie du ganz klein in deinem Sessel geworden wärst, weil du deinen Kloß nicht mehr unterdrücken konntest und der Geschmack jener unausgesprochenen Worte so schwer wog.

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2 Kommentare zu „Kürzestgeschichte: Wie Esel

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  1. Wie oft sich wohl so eine Szene mit genau diesen Empfindungen in den jeweils beteiligten beiden störrischen Kopfen exakt so abgespielt haben mag…
    Entweder, Du bist eine sehr feine Beobachterin, oder Du hast quasi eine seherische Gabe.
    Denn, dass Du selbst jene Szene schon aktiv beteiligt miterlebt hast, mag ich nicht unterstellen … 😉
    Sehr liebe Grüße an Dich – hast wieder toll geschrieben hier, liebe Luna!

    Gefällt mir

    1. Ich danke dir^^
      Nun, so ein kleines bisschen steckte wphl jeder von uns schonmal in dieser Situation glaube ich fast… So oder so ähnlich 😉
      Uns fällt es wohl oft schwer, die Vogelperspektive zu wählen und zu erkennen, wie sehr wir doch aneinander vorbei reden… wie stur wir uns manchmal in unserem Denken verkapseln^^
      Aber du hast recht, diese Szene blieb mir bisher zum Glück erspart 😉
      Ganz liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

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