Emotionaler Sexismus in Alltag und Kunst

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Ahio Freunde!

Ein recht ungewohnter Titel für mich, was?
Nun, aber es musste mal sein, denn es brennt mir schon lange auf der Seele.

Ein Phänomen, dessen ich mir nie bewusst war, welches mir aber mit einem Mal, als ich es begann, wahrzunehmen, überall zu begegnen schien.
Ich habe einen wundervollen Freund. Hach, das musste mal gesagt werden^^ Nein, wirklich, kennt ihr das, wenn ihr euch fragt „Wie kann es nur sein, dass ich so viel Glück haben darf? Wie kann es sein, dass ich einem Menschen treffe, mit dem alles so unbeschreiblich gut ist, so gesund, so kraftgebend, so unfassbar unglaublich???“ Ja, genauso ist es bei mir.
Mein Freund ist, wie ich schon mehrmals andeutete, sehr pragmatisch. Wirklich seeeehr pragmatisch. Und ich… naja ich eher so gar nicht^^ Es ist oft, dass ich mir wegen Dingen Gedanken mache, auf die ich keinen Einfluss habe, die erst weit in der Zukunft liegen, die eigentlich auch gar nicht so schlimm sind, wie es mir vorkommt. Mein Freund zerbricht sich im Gegensatz dazu über wenige Dinge den Kopf und während es bei mir doch oft dazu kommt, dass meine Gedanken ein doofes Karussel fahren, geht es ihm meistens gut.
Das ist ein Zustand, der für mich normal ist. Ich habe irgendwelche Gedanken, bin traurig oder verletzt, reagiere empfindlich oder was auch immer und kann mit all diesen Dingen zu meinem Freund gehen und ihn zutexten. Es stimmt ja auch. Er hat immer ein Ohr für mich. Ich bin emotional unausgeglichen, was folgt? Mein Freund muss da durch.

Vor einiger Zeit diskutierten wir über… ich weiß gar nicht mehr, worüber^^ Ich war verletzt glaube ich, wahrscheinlich aufgebracht, definitiv sehr launisch und nicht gewillt, irgendwelche meiner Emotionen zurück zu halten. Irgendwann sagte mein Freund „Stopp! Luna, was meinst du denn, wie das für mich gerade ist? Ich komme damit auch nicht so gut klar.“

Eigentlich simpel, oder?
Dennoch öffnete es mir die Augen.
Eigentlich bin ich eine Person, die sich immer um andere kümmert, doch plötzlich stellte ich fest, dass da auch eine Luna in mir ist, die sehr selbstverständlich einfach nur nimmt. Die davon aus geht, dass der Freund, dem es ja immer gut geht, zu jeder Zeit als Abladefläche für den ganzen Scheiß dienen kann, welcher mir zu schaffen macht.  Was er dabei denkt oder fühlt geht unter.

Und da merkte ich erst, wie verbreitet dieses Denken im Alltag ist, ja dass es Normalität zu sein scheint, dass die Emotionalität der Frau im Vordergrund steht.
Wow Luna, klasse Erkenntnis! Du hast die Rollenbilder unserer Gesellschaft erkannt. Die ewig über ihre Gefühle quasselnde Frau und der genervt nickende Mann.

Geschockt hat mich wohl, dass es selbst in Kreisen gängig ist, die aufgeschlossen und scheinbar frei von Rollenbildern sind. So würde ich mich zumindest beschreiben. Ich weise Eigenschaften nicht zwingend einem Geschlecht zu, dennoch haben Rollenbilder diese enorme Macht über mich. Oder aber es ist einfach der pure menschliche Egoismus, der sich seinen Weg durch mich hindurch bahnte und dem jene Geschlechterrollen perfekt in die Karten spielten…?
Zusätzlich geschockt hatte mich eine Französische Serie mit dem Titel „La Mante“.
Die Polizei von Paris ist auf der Suche nach einem Psychopathen, dessen Morde von der gefassten Serienmörderin Jeanne Deber inspiriert wurden, die 25 Jahre zuvor das Land terrorisierte. Jeanne bietet der Polizei ihre Hilfe bei der Suche an, hat aber eine Bedingung: Sie will mit ihrem Sohn, ebenso Polizist, zusammen arbeiten, da sie zu ihm seit der Verhafung keinen Kontakt mehr hatte.
Ihr merkt, das bietet ordentlich Stoff^^ Der Sohn hat sich mühsam eine Identität ohne seine Mutter aufgebaut, denn wer ist schon gern der Sohn einer Killerin, die durch alle Medien ging? In seinem wunderschönen Leben mit Frau und Kind steht nun also diese Figur seiner Vergangenheit, mit der er sich auseinander setzen muss, aber mit niemanden darüber sprechen kann. Man sieht, wie ein Mann vor der Kamera zerbricht, der Gute ist wirklich völlig fertig. Hinzu kommt nun seine Frau, eine enorm sympathische Figur. Sie merkt natürlich, dass ihrem Mann was auf der Seele brennt, doch was es ist, das bekommt sie einfach nicht aus ihm heraus. Und sie leidet. Und wie sie leidet. Ich versteh das, es würde mich auch fertig machen, wenn ich merke, mein Mann verheimlicht etwas.
Doch nun komme ich zu dem Punkt, um den es mir geht: Die Gewichtung des Konfliktes.
Da ist ein Mann, dessen Leben gerade komplett auf den Kopf gestellt wird, doch im Dialog zu seiner Frau ist nicht Thema, was ihn bedrückt, sondern warum er nicht mit seiner Frau darüber redet. Sie fühlt sich von ihm zurück gewiesen. Sie ist verletzt. Es geht um SIE. Wisst ihr, was ich meine? Ich meine nicht, dass sie nun eben sauer wegen seiner Geheimniskrämerei war, denn das ist einfach ein weiterer Punkt der Story, das ist vollkommen sinnvoll. Es ist wichtig, dass sich zwischen den beiden ein Konflikt anbahnt deswegen, es MUSS so sein. Doch die Art des Konfliktes ist nicht „Was ist los mit dir, rede doch einfach wenn was ist, wir vertrauen uns doch, warum kannst du nicht mit mir darüber sprechen?“, sondern der Konflikt ist „Wie kannst du es mir nur antun, zu mir zu schweigen und so abwesend zu sein und so kalt“…
Es war, als wäre ihr klar, dass in ihrem Mann ordentlich Emotionen abgehen, doch als hätte sie die ihren schlichtweg als wichtiger empfunden.
Man könnte nun auch eben genau das als Stilmittel einsetzen, doch man merkte, es war nicht als Stilmittel gedacht, sondern es war unbewusst die von den Machern der Serie erdachte plausible Reaktion einer Frau auf das Verhalten ihres Mannes.

Und solcherlei Beispiele gitb es viele, mir ist es wirklich überall aufgefallen. Und das ist traurig. Ich meine, wie wertvoll kann eine Beziehung sein, wenn die eine Seite  unbewusst das Gefühl hat, gewichtigere Gefühle oder Gedanken zu haben, als die andere?
Dat is doch Bockmist!

Vielleicht wisst ihr, was ich meine. Hattet ihr schon ähnliche Gedanken oder seht ihr es ganz anders? Oder habt ihr es so noch nie betrachtet?
Und was mich besonders interessiert, fallen euch noch mehr Beispiele aus Literatur und Film oder Theater ein, in denen innere Konflikte der Männer hinter jene der Frau gestellt wurden? Ich fänd es suuuper spannend, wenn hier eine kleine Sammlung entstehen würde!

Denn ich denke, es ist wichtig, darüber nach zu denken und zu reden. Wir sollten uns von diesen Gedanken befreien, denn ich glaube, es gibt einige Männer, die unter diesem Rollenbild zu leiden haben…

Ich wünsche euch eine wundervolle Zeit, ihr Lieben!
Bunte Herbstgrüße von

der Luna ❤

P.S.: Die Serie ist übrigens enorm zu empfehlen! Bis auf diesen Kritikpunkt fand ich sie wirklich sehr gut! Wer auf Drama steht und die Frage nach Identität, dan Verrücktwerden und Spannung, der ist hier genau richtig 😉

9 Antworten auf „Emotionaler Sexismus in Alltag und Kunst

  1. Die armen Männer! v.v
    Ich glaube hinzu kommt auch, dass unsere Kultur uns einfach beibringt, dass Frauen gefühlvolle Wesen sind, während Männer „nie weinen“ und immer stark sein müssen. Wir gewöhnen uns an diese Werte und sehen sie irgendwann als so selbstverständlich an, dass wir sie nicht herausfordern, aber uns stattdessen unterwerfen, und dadurch verstärken wir die Werte nur noch. Ein richtiger Teufelskreis. 😦
    Leider komme ich gerade nicht auf andere Beispiele – was mich eigentlich wundert, denn du hast völlig recht, es ist kommt sehr häufig vor – aber ich melde mich zurück, falls mir was einfällt.

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    1. Hey sorry für die späte Antwort – meine Auszeit hat sich wohl doch etwas länger hin gezogen, als ich dachte…. Hatte vllt ein Schild hinhängen soen „bin dann mal weg“ 😉
      Zum Beitrag: ja ich denke auch es hat eben mit der Rollenverteilung der emotionalität zu tun… Und letztlich schränkt es jeden ein!

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      1. Ich habe die letzten paar Wochen so oft an dich gedacht! Ich bin so so so froh wieder von dir zu hören! Als ich sah, dass du mich geantwortet hast, musste ich laut „Hurrah, Luna ist wieder da!“ rufen.😊❤️

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  2. Das Problem ist, dass wir Gleichberechtigung, Chancengleichheit usw. mit wir sind alle gleich und müssen gleich behandelt werden verwechseln. Wir sind eben nicht gleich, diese Diversität ist ein Gewinn und muss nicht ideologisch gleichgeschaltet werden. Es ist z.b. Schwachsinn zu glauben, dass Mann und Frau sich nur in so weit unterscheiden, dass es beim sexualakt passt.

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  3. Omann, in dem ersten Jahr unserer Beziehung waren mein Mann und ich auch so ein Paar, wobei ich immer meinen ganzes emotionales Drama auf ihn abgeladen hab – ich war echt die größte Dramaqueen xD Mittlerweile hat sich das glücklicherweise gelegt, weil ich einfach psychisch stabiler bin. Trotzdem ist er noch der rationalere und ich die emotionalere, da sind wir schon typisch. Aber was dieses Frauenbild in Filmen/Serien/Büchern betrifft: Da stimme ich dir völlig zu! Das ist etwas, was mich schon laaange aufregt, aber bisher hatte ich das für mich noch nicht so ausformuliert wie du 😉 Ich finde Ehefrauen in Filmen oft ganz furchtbar dargestellt, wenn sie immer denken, es dreht sich alles nur um sie. Das ist teils echt total zurückgeblieben finde ich, wie aus dem 19 Jahrhundert oder so, als man Frauen mit „Hysterie“ diagnostiziert hat und in Psychatrien gesteckt hat, weil sie ihre Emotionen nicht kontrollieren können. Man müsste meinen, wir haben mittlerweile andere Ansichten, aber leider gibt es dieses Frauenbild noch zu oft. Filme, die mir spontan dazu einfallen: Butterfly Effect oder Wolf of the Wallstreet. Oder auch John Green Bücher, z.B. Margo in Margos Spuren und Alaska in Looking for Alaska, diese kaputten „Attention Whores“, die von den männlichen Protagonisten gerettet werden müssen -.- Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir andere Frauenfiguren schreiben! Ich denke auch, dass viele Frauen so übertrieben reagieren, weil das ist, was sie in Filmen und Büchern lernen, zumindest war es bei mir oft so.

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    1. Hey ho, sorry für die späte Antwort 🙈
      Erstmal ist es sehr erleichternd, dass da jemand dieses Verhalten ebenso selbst an sich beobachtet hat und davon genervt ist 😅 und es stimmt, wenn man mehr Selbstsicherheit und ausgeglichenheit erlebt, ist es auch nicht mehr so extrem! Doch man ist eben auch, wer man ist… Und ich denke auch nicht, dass es ein Problem ist, wenn man zum Teil dem Klischee entspricht, denn ich müsste mich wohl ziemlich verbiegen, um auf Krampf dem Bild nicht zu entsprechen… Und das ist auch nicht das Bild einer freien Mann-Frau-Beziehung😅
      Was du mit den Hysterien sagst stimmt absolut… Es ist echt enorm wann Frauen damals als psychisch krank, bzw eben hysterisch galten… Und wie es behandelt wurde… Etwas, dessen sich viele leider gar nicht so sehr bewusst sind…
      Und ich glaube auch, dass es heute zu einem großen Teil durch das, was man in Kunst und Medien nunmal so sieht „anerzogen“ wurde…
      Deine Beispiele sagen mir teilweise leider gar nichts, bzw muss ich Wolf of Wallstreet nochmal sehen, an den erinnere ich mich kaum noch ^^
      Echt danke dir für deinen ausführlichen Kommentar! ☺

      Gefällt 1 Person

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