„Es ist der Einfall, der mich umtreibt“

20181211_213108.jpg

Seid gegrüßt meine Glücksbärchies!

Macht euch bereit für ein Zitat, ihr Lieben! 😉
Der wundervolle Marquez (1927-2014) ist einer jener Herren, die ich bis aufs bitterste verehre. Das, was er schreibt, wird gerne als magischer Realismus bezeichnet – und ist genau das, wonach es klingt. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber ich hab mich immer schwer mit solcherlei Klassifizierungen, oftmals beschreiben sie kaum, worum es tatsächlich geht. Doch das, was Marquez beschreibt, die Welten, die er schafft, sie strotzen vor Magie… Seine zaubergleiche Sprache verknüpft alles zu einem wundersamen etwas – und gleichzeitig ist es härter und realistischer, als jeder „gewöhnliche“ Roman.
Doch um all das geht es hier ja gar nicht, ich merk schon, ich muss endlich mal in einem gesonderten Beitrag meine Liebe zu Marquez in die Tasten hauen 😉

Das Buch, welches ihr auf dem Foto sehen könnt, sind seine gesammelten Reden, aus dem das folgende Zitat kommt, das mich schon zwei Jahre in Gedanken begleitet. Nun also Trommelwirbel bitte, da isses!

[…] Wenn die Idee also ausgereift ist, dann setze ich mich hin, um sie nieder zu schreiben, und damit beginnt der schwierigste Teil der Arbeit und der für mich langweiligste. Denn das köstlichste an einer Geschichte ist, sie zu erfinden, sie allmählich auszuführen und abzurunden, indem man sie wieder und wieder im Kopf umwälzt sodass sie, wenn man sich schließlich hinsetzt, um sie schließlich aufzuschreiben, einen selbst nicht mehr sonderlich interessiert, mich zumindest interessiert sie nicht mehr besonders, es ist der Einfall, der mich umtreibt.
– Gabriel Garcia Marquez 1970

Als ich das las, war ich sprachlos. Marquez war in dieser Rede sehr ehrlich, gab zu, wie schwer es ihm doch fällt, auch nur eine Seite zu schreiben. Dass ihn seine eigene Geschichte langweilt…
Ein Schriftsteller, der sagt, ihn langweilt das Schreiben. Das klingt paradox. Doch das ist es wohl nicht. Ich glaube, es gibt zwei Arten von Schriftstellern (oh, und wahrscheinlich noch 200 weitere^^)… Die einen, die Schreiben, weil sie es lieben, die Sprache zum Tanzen zu bringen, sie zum Leben zu erwecken, die schreiben, um Sätze mit Inhalt zu füllen. Und dann die Anderen, die schreiben, weil sie eine ungeheure Faszination für Geschichten haben. Ich bin wohl zweiteres. Ich kann mich nicht retten. Verliere mich tagelang in Gedanken in Geschichten, doch was schreibe ich? Keine einzige Zeile. Weil ich keine Lust habe. Weil es mich nervt, die Geschichte noch einmal Stück für Stück durchgehen zu müssen. Ich weiß doch schon alles, warum muss ich mir den ganzen Mist dann nochmal anhören? Kann man sich nicht Oropax rein machen und so seine Gedanken beim Schreiben überhören? Ich fänd das ab und an ja doch ganz praktisch 😉

Doch keine Sorge, ich quäle mich nicht, wenn die Zeilen aus mir sprudeln und die Geschichten endlich ihren Weg auf Papier finden, im Gegenteil, es befreit den Kopf… Hach, wie ich schon sagte, es sind eben doch eher 200 Arten von Schriftstellern, als zwei… wäre ja auch zu einfach gewesen ^^Wahrscheinlich mag nicht einmal ein Mensch einer der Arten voll und ganz entsprechen, sind wir doch bunte Mixturen noch bunterer Prismen und Spektren.
Aber egal, zurück zum Thema:
Ich liebe das Schreiben, den Proßess, die Sprache… Eine Idee in Worte auszuformulieren, damit zu ehren… Doch ja, es langweilt mich auch. Es sind eben Stunden über Stunden die man in ungesunder Körperhaltung verbringt und nichts weiter macht als auf ein Papier oder Bildschirm zu starren und seine Hand dabei zu beobachten, wie sie Buchstaben schafft. Worte, die man selbst schon gedacht hat. Wenn man wenigstens schneller schreiben, als denken könnte… Das Herausfinden, das Entdecken der Geschichte jedoch, das ist ein Abenteuer. Das passiert nicht nur am Schreibtisch, es passiert überall. Man kann sich in kürzester Zeit alle Wendungen überlegen, spielt Szenen wieder und immer wieder, ganz so, wie es einem gefällt. Das ist keine Arbeit. Das ist pures Vernügen. Schreiben jedoch empfinde ich tatsächlich als Arbeit.

Doch einen Lichtblick gibt es ja: Ich bin ein Chaot. Das bedeutet, es ist mir vollkommen unmöglich eine Geschichte vollkommen zu planen. Und das wiederum heißt, zwischen all der Arbeit, die es bedeutet, wenn man eine Geschichte nieder schreibt, taucht doch immer wieder das Abenteuer auf, geschieht das Wunder. Plötzlich ist da dieser Rausch und nicht ich bin es, die die Geschichte schreibt, sondern die Geschichte suchte sich ein Medium und dieses sollte ausgerechnet ich sein.

Diese Momente sind es, für die ich schreibe. Denn es ist viel zu spannend, wie eine Geschichte, die in meinem Kopf existiert, aussehen wird, wenn sie erst auf dem Papier gelandet ist. Womöglich vollkommen anders.
Nichtsdestotrotz gab es viele Tage, an denen mir der Gedanke an das Zitat Kraft spendete… Denn was kann einem während der Prokrastination bitte besser aufmuntern, als ein Nobelpreisträger, der zugibt, dass auch er das Schreiben nicht immer als absolute Freude, sondern auch als durchaus öde empfindet!

Wie schaut es bei euch aus? Könnt ihr euch mit diesem Gedanken identifizieren oder ist das so gar nicht die Art, wie ihr das Ganze betrachtet? Ich kann mir gut vorstellen, dass jeder das Zitat ein wenig anders wahrnimmt 🙂

Einen wudervollen Abend euch!
Habt euch lieb!

Eure Luna ❤

15 Antworten auf „„Es ist der Einfall, der mich umtreibt“

  1. Liebe Luna,
    für mich ist ehrlich gesagt das ganze Planen davor eher nervig. Also mir macht es auch Spaß, Geschichten zu erfinden. Aber dann diese Details, damit das alles schlüssig ist, dass keine Lücken entstehen, keine wichtigen Fragen offen bleiben usw. Das stresst mich.
    Ich muss dann irgendwann einfach drauf los schreiben und guck einfach, wie sich die Geschichte so entwickelt. Und das geht am besten, wenn ich wirklich schreibe. Und nicht nur darüber nachdenke …
    Gehört dann wohl auch in die Kategorie „200 weitere“ 🙂
    Viele Grüße
    Felicitas

    Gefällt mir

    1. Liebe Felicitas, ich weis, was du meinst! Ich hab mich auch schwer damit, alles Szene für Szene schon genau im Kopf durchzuplanen, das überfordert mich einfach! Dann ist es eben genau spannend, was passiert, wenn man schreibt. Beginnst du eine Geschichte auch schon, wenn es nur eine ganz ganz wage Idee ist? Manch ein Buch soll ja schon entstanden sein, weil einem Autor ein Satz einfiel und sich dachte „Da schreib ich einfach mal weiter“ ^^

      Und ich finde, diese Kategorie ist auch ziemlich spannend 😉
      Liebe grüße zurück!

      Gefällt mir

      1. Also ein ganzes Buch aufgrund einer vagen Idee habe ich noch nicht geschrieben. Allerdings entstehen gefühlt 90 % der Textschnipsel und Geschichtenteile auf meine Blog durch vage Ideen bzw. einzelne Sätze. Was machst du mit solchen Kurzideen?
        Was ich gerade eben wieder gemerkt habe: Beim Buch Plotten hilft mir am meisten, das alles auszusprechen. Aufschreiben ist mir zu mühselig (da schreib ich lieber gleich die ganze Geschichte) und im Kopf ist es mir zu anstrengend. Aber mit der besten Freundin darüber sprechen – das hilft mir unglaublich viel 🙂

        Gefällt mir

  2. Ich glaube, dass ich beide von Dir genannten Typen in mir trage, der ersten etwas mehr, den zweiten etwas weniger. Aber auf jeden Fall beide. – Wobei ich mich lange nicht als „Schriftsteller“ sondern allenfalls als „Schreibender“ sehe.

    Für das „nicht-schreiben-können“ hat es bei mir allerdings grundsätzlich noch einen anderen Grund, der mich bislang verhindert hat, überhaupt ein größeres Projekt in Angriff zu nehmen. Dieser Grund sind meine Emotionen an sich. Sie nehmen mir buchstäblich die Luft, schreiben zu können. Wenn da ein Thema ist, dass mich innerlich sehr bewegt, was aus mir kommt, was letztlich „ich“ bin, dann geht es sehr oft nicht. Ist ist sooo sehr „Ich“ – verstehst Du, was ich meine, liebes Lunchen?

    Und dann ist da noch eion anderes Problem. Ich gehe grundsätzlich zu perfektionistisch an das Schreiben heran. Ich möchte es sogleich so schrfeiben, dass es „richtig“ ist, dass es meinen Ansprüchen genügt. Mit denen freilich stehe ich mir nicht nur beim Schreiben oft ganz schön im Wege …

    Ganz liebe Grüße an Dich!

    Gefällt mir

    1. Mein Lieber, beide Punkte, die du anführst, kann ich sehr gut nachempfinden, sie bringen mich regelmäßig dazu, angstvoll das Papier zu meiden. Wenn man schreibt, kommt man sich unweigerlich sehr nah. Es ist die Frage, ob man das immer aushält…
      Und was die Perfektion angeht, man darf von sich kein meisterwerk erwarten. Man muss einen Anspruch haben, doch sollte sich gönnen, zunächst eine Rohversion zu schreiben – was auch immer es ist, was man schreibt.
      Und diese angst musst du dir sowieso nicht machenb, es ist immer wieder wunderschön und berührend, dich zu lesen…

      Ich wünsche dir einen schönen Abend (mit der Familie^^)

      Gefällt 1 Person

  3. Mir geht es zumindest ähnlich wie Marquez, würde ich behaupten. Vor Jahren war da mal ein Bild, eine kurze Szene in meinem Kopf, die mir wahnsinnig gut gefallen hat. So ist das ja oft. Ein Satz, eine bestimmte Situation oder ähnliches kommt einem in den Sinn und begeistert einen.
    Dieses Bild gefiel mir wirklich sehr gut und ich habe angefangen, mir Gedanken darüber zu machen, wie die Situation, die ich einfach nicht mehr aus dem Kopf bekam, zustande gekommen war. Welche Art Konflikt gipfelt in genau dieser Situation? Und wie entwickelt sich dieser Konflikt?
    Satz für Satz muss ich jetzt also eine Geschichte vor mir hertreiben, bis sie endlich an diesem genialen Höhepunkt angekommen ist, der – wenn ich denn endlich dort bin – eigentlich nur noch enttäuschend sein kann, weil die eigene Erwartungshaltung sich viel zu lange entwickeln konnte.
    Also so gerne ich auch schreibe (und abschweife), treibt mich doch in gewisser Hinsicht einfach nur diese erste Idee an. Ich will sie aus meinem Kopf haben und der Weg dahin ist anstrengend. Nach über 400 Seiten ist dieser Höhepunkt noch nicht in Sicht, aber der Trieb ist noch stark genug, nicht aufzugeben. Das ist dann wohl positiv. Wenn man weder Spaß am Schreiben hat, noch eine Idee verfolgt, die einen durch den (subjektiv) langweiligen Schreibprozess treibt, dann erst sollte man es sein lassen.

    Gefällt 1 Person

    1. Du beschreibst es so perfekt! Vielleicht ist es bei mir sogar auch viel mehr ungeduld, als Langeweile! Denn ich habe auch innerlich den dramatischen Höhepunkt, das grausame Ende vor Augen und will es endlic, endlich schreiben, es los werden… Aber davor muss ja ersmal noch so viel anderes passieren… nerv… xD
      Und ich denke auch, wer weder Freude am Scheiben oder der idee hat, für den ist das Schriftstellern wohl nix… Doch ich glaube auch schwer, dass es sich so jemand überhaupt aussucht, oder? Wer tut schon etwas freiwillig in seiner Freizeit, wenn es ihm missfällt^^
      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  4. Ich kann mich damit erstaunlich gut identifizieren. Habe mehrere Notizbücher
    und den Kopf voller Geschichten, aber diese zusammenzusetzen stellt sich mitunter sehr mühselig dar. Aber naja, wenn es keine Arbeit wäre, dann würde es sich vermutlich auch nicht so gut anfühlen, wenn man das Geschaffene endlich in Händen hält.
    So, ich mache mich dann Mal wieder an Netflix und Schoki. ^^

    Gefällt mir

    1. Stimmt, irgendwie muss man ja auch erstmal was tun, bevor man sich Loben darf ;P
      Deswegen umso besser, wenn es an Netflix geht xD Hach, da fällt mir ein, es wartet noch eine Serie auf mich… Bin dann mal weg 😉

      Gefällt 1 Person

  5. Ich kenne beides. Manchmal ist der Text schon so sehr im Kopf gewachsen, dass ich den Eindruck habe, es nicht auf Papier bringen zu können, denn auf dem Papier würde es mir nie gelingen, alles genau richtig auszudrücken.
    Auch das Gefühl, dass ich die Geschichte ja für mich schon zu Ende erzählt haben und es gar nicht mehr notwendig ist, sie aufzuschreiben, kenne ich auch.
    Genauso aber auch das Spudeln und Lust am Spiel mit den Worten und Buchstaben.
    Ist es nicht spannend, was man sich alles für Gedanken über das Schreiben machen kann. 😉

    Gefällt mir

    1. Und wie spannend es ist! ^^ Manchmal muss ich aufpassen, dass ich mir nicht zu viel gedanken darüber mache, schließlich sollte ich ja über meine Geschichte nachdenken und nicht darüber, wie ich über die geschichte nachdenke 😉
      Aber es ist auch einfach immer viiiel zu spannend,eure ganzen Gedanken dazu zu lesen! Einfach faszinierend, zu sehen, wie es in anderen Köpfen zu diesen Themen aussieht! Liebe grüße an dich, mach dir den Abend schön!

      Gefällt 1 Person

  6. Als ich jünger war, fand ich das Schreiben schon spannend, aber ich wollte trotzdem auf keinen Fall Schriftstellerin werden, denn dann wusste ich ja schon, was in der Geschichte passieren sollte, und das wäre ja total öde! Und jetzt bin ich so von der Sprache und Formulierungen begeistert, dass ich es kaum erwarten kann, den ersten Entwurf niedergeschrieben zu haben, damit ich endlich an die sprachlichen Feinheiten arbeiten und die Geschichte zum Leben erwecken kann.☺️

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, es ist absolut spannend, sprachlich eine Geschichte zu gestalten. Erst recht, wenn sie nicht einfach nur Mittel zum Zweck ist und schlicht informationen überträgt, sondern wenn sie tatsächlich aktiv zum Gestalten der Geschichte genutzt wird!
      Und da ist es natürlich besonders spannend, ewig an allem herum zu feilen! Liebe Grüße an dich du liebe Kaya ❤

      Gefällt 2 Personen

  7. Liebe Luna,
    mir geht es genauso wie dir! Schreiben ist für mich Arbeit. Arbeit, die ich gern mache, aber eben immer noch anstrengend ist. So etwas kann ich nicht auf dem Sofa liegend, mit Chips in der Hand und Musik auf den Ohren, machen. Ich brauche einen Schreibtisch und eine gewisse Arbeitsatmosphäre. Und dann macht es auch Spaß – an manchen Tagen 😉
    LG Alex

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s