Die Gedanken sind frei?

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Halli – hallo!

Dieser Beitrag hier entsteht nun taufrisch nach einem kleinen Austausch mit der lieben Sarah (Auch Kleine Wasserhexe genannt, schaut mal bei ihr vorbei, wenn ihr mehr über einen weiteren sympathischen Schreiberling mit seinen Höhen und Tiefen erfahren wollt^^ Sie schreibt übers Schreiben, Lesen, Dies und Das und ab und an gibts schöne Fotos)
Sarah, für dich ist das hier alles also nichts neues, doch nimm mir nicht übel, wenn ich die Inspiration unseres Gesprächs direkt nutze 😉

Wir tauschten uns über etwas aus, worüber sich Autoren im Netz viel zu häufig austauschen, nämlich das Schreiben. Vielleicht sollte ich mal was neues ausprobieren und statt über das Schreiben zu schreiben, tatsächlich schreiben… Vielleicht ist das aber auch eine verrückte Idee…
Bevor mich nun eine Sinnkrise befällt, schnell zum Höhepunkt des Textes, den Kern des Pudels, weshalb ich hier in die Tasten haue…
Was gibt mir das Schreiben?

Blöde Frage… Jeder Interviewer, der mich das nach meinem Bestseller fragt, würde daraufhin nur ein kühles Augenrollen samt Seuzfen kassieren, damit ihm seine Einfältigkeit auch bitte bewusst würde. Eine Frage, die man nie, bitte nie einem Autoren stellt, gleich nach der Frage, woher denn bloß die ganzen Ideen kämen…Doch manchmal, da hat man ja so einen Moment, da erscheint einem das eigene Tun in einem völlig neuem Licht. Da ist so ein Aha-Moment und man versteht, warum man genau das machen muss, was man eben macht.

Schreiben ist Freiheit!
Klasse Frau Pursche, da sind Sie ganz bestimmt die Erste, der das aufgefallen ist…
Doch ich schiebe mal diesen Gedanken beiseite und tu so, als könnte ich euch was neues erzählen 😉
Schreiben ist Freiheit, weil es für mich eine der wenigen Möglichkeiten ist, ohne Zensur zu denken. Ich versuche ehrlich zu sein. Meinem Gegenüber und mir gegenüber und ich hasse scheinheilige Gedanken. Doch es wäre sehr scheinheilig, zu behaupten, man wäre frei von eben jener. In meinem Kopf existiert eine sehr strenge und breitschultrige Luna, die die höchstpersönliche gesellschaftliche Zensur verkörpert. Die mir sagt, was sich nicht schickt, zu denken. Die sagt, was angebrachter wäre, zu fühlen. Natürlich höre ich nicht immer auf sie und ich schätze mich weiterhin als jemanden ein, der sich wenig Gedanken um das macht, was andere von ihm denken. Gefühle und Triebe sind absolut wertfrei. Sie existieren, man sollte sie nicht zu sehr in gut und schlecht einteilen. Trotzdem passiert oft genug genau das.
Ich möchte keine Kinder, weil sich mir allein bei dem Gedanken, mein Leben um ein kleines, unfähiges Wesen kreisen zu lassen, das nicht ich selbst bin, sämtliche Haare sträuben, ich mich schüttel und am liebsten übergeben wöllte. Ich übertreibe nicht. Aber das ist gesellschaftlich nicht angemessen. Es ist akzeptiert zu sagen, dass man nicht glaubt, so viel Verantwortung tragen zu können. Man sollte nicht sagen, dass man angst hat, ein Kind zu bekommen, weil man weiß, dass man tagtäglich Fantasien hätte, dem Kind den Schädel einzuschlagen, es zu erwürgen, es vor den Zug zu werfen.
Spreche ich das laut aus, schauen die Leute wirklich witzig. Ich scheine in diesem Moment ein Monster geworden zu sein. Mit der Zeit wandern diese Blicke in meinem Kopf. Und die Freiheit ist dahin.
Lasse ich aber all das in eine Geschichte einfließen, lasse ich es zur Kunst werden, ist es erlaubt. Die menschliche Regung darin legitim. Nichts mehr, das mir sagt, was ich denken oder fühlen darf. Alles ist okay.
Und am Ende schaue ich auf diesen Text, in dem andere das sagen, was ich nicht sagen darf. Und ich weiß, dass es nicht die anderen sind, die das denken oder fühlen, sondern dass all das meins ist. Und ich weiß, dass es okay ist. Dass ich keine Angst haben muss, sondern es sagen kann. Scheiß auf jede Zensur der Welt.

Lasst euch nix vormachen, ihr lieben! 😉
Genießt den Abend!

Eure Luna ❤

6 Antworten auf „Die Gedanken sind frei?

  1. Ich traue mich mehr als nur einen „like“ zu setzen dort oben. – Ich finde Deinen Text richtig Klasse, weil er ehrlich und mutig ist. Du sprichst Dinge an und aus, die ansonsten tabuisiert sind. Von Dingen, von denen jeder von uns welche in sich trägt, die aber nicht aus- nicht ansprechbar sind, kaum oder gar nicht „gesellschaftsfähig“. – Ich empfinde das als sehr schade, weil es einem keine Reflexion über den eigenen Tellerrand ermöglicht. Letztlich bleibt IMMER ETWAS ungesagt.

    Da der Mensch aber nun einmal ein bioSOZIALES Wesen ist, ist bzw. wird alles Ungesagte, zumal das, was jene „besonderen Dinge“, die unsagbaren eben, bertifft, mehr oder minder zum Ballast für jeden einzelnen.
    Beschenkt ist der- oder diejenige, der/die das in Texten in Romanen, quasi auf künstleriosche Weise „anonymisiert“ thematisieren und damit vielleicht ein bisschen loswerden kann.

    Mehr aber wohl auch nicht. Denn die Reaktionen, so meine ich wahrzunehmen solche Dinge betreffend, in Romanen, Aufsätzern, Geschichten verarbeitet, sind doch grundsätzlich so, dass sie signalisieren, dass das Thema nur dann, wenn es entsprechend „verarbeitet“ ist „okay“ ist. Man kann dann „darüber“ reden – Wer sich allerdings derart tatsächlich persönlich offenbaren würde, etwa in einem realen Zwiegespräch oder in einer Gruppe, wäre ein ziemlich armes Schwein unter der Sonne, denke ich. Gerade in unseren Zeiten, wo MITEINANDER reden so sehr ein fremd gewordenes Vermögen und Handeln ist – geschweige denn über entsprechende Themen, ohne zu verurteilen, ohne zu verletzen usw. wohlgemerkt.

    Ganz liebe Grüße an Dich, Lunchen!

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    1. Lieber Sternenflüsterer,

      ich habe ähnliches beobachtet und finde es auch definitiv nicht gut… Das ist in gewisser Weise auch die Gefahr der Kunst… Spricht man tabuisierte Themen in der Kunst an, erreicht man nicht zwingend, dass sie weniger Tabu werden. Oft erreicht man nur, dass die betrachter der Kunst lediglich bereit sind, sich im Rahmen dieser und nur in dieser damit auseinander zu setzen. Es ist nur okay, wenn es als Kunst definiert ist, wird als diese toleriert, vielleicht sogar gelobt, doch im „realen“ Leben wird keine Entsprechung gefunden. Das ist unfassbar traurig.
      Doch ich denke, es kann dennoch für einige einen Effekt haben. Dass sie sich verstanden fühlen, dass betroffene sehen, dass es eigentlich okay ist.
      Und definitiv gehe ich gestärkt heraus und habe für mich gelernt, dass ich auch im zwischenmenschlichen nichts zu befürchten habe, sondern offen mit bestimmten Gedanken umgehen kann.
      Wir müssen einander nichts vormachen. Alles was wir in uns haben, ist okay, denke ich. Natürlich gibt es viele Dinge, die nicht ausgelebt werden sollten… Doch ich glaube, du verstehst mich ganz genau 😉

      Danke für den immer schönen Austausch mit dir!

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      1. Ich WEIß, dass ich Dich ganz genau verstehe, weil Du mich auch ganz genau verstanden hast.. 🙂

        Ich schreibe Dir auch sehr gern, unterhalte mich sehr gern mit Dir. Ob über leichtere oder auch anspruchsvolle oder schwierige Themen. Es ist immer bereichernd und es geschieht immer in schöner Atmosphäre!

        Nochmal viele, liebe Grüße!

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      2. ja es stimmt, es ist immer in einem sehr angenehmen miteinander! ist ja gerade im internet nicht selbstverständlich^^
        und es ist tatsächlich schön, dass da jemand ist, der sich die ruhe für einen austausch nimmt, der etwas mehr in tiefere ebenen geht!

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  2. Das ist aber sehr interessant, denn für mich ist Tanzen Freiheit. Das Schreiben ist für mich eher ein Prozess meiner Gedanken und meines selbst bewusst zu werden und in dem Chaos, das diesem Prozess folgt, Klarheit zu finden. Aber ich verstehe, was du meinst. Alles ist beim Schreiben und unter dem Label „Kunst“ erlaubt. Da kann man mal die sozialen und kulturellen Regeln den mittleren Finger zeigen ;-).

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    1. Das Stimmt, Tanz und Musik bieten noch einmal ganz andere Möglichkeiten, das Innere Sprechen zu lassen! So auch oft die Malerei…
      Das Schreiben bringt tatsächlich oft eine Ordnung in die Gedanken… Da man versucht ist, unbewusste und bewusste Strömungen und Gefühle in die kalte und eindeutige Struktur von Worten zu fassen. Man muss dann nur eben diesen Worten trauen und darf sich nicht mehr um den Verschnitt kümmern, der nicht hinein passte… Ansonsten kann das Chaos weiter anhalten^^ Wobei es dann um so spannender ist, dieses Chaos versuchsweise in chaotischen Worten und Texten zu spiegeln… ^^

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