So etwas wie Ernüchterung?

Seid gegrüßt!

Und damit herzlich Willkommen zu einer Runde „Balkongedanken“… Was mir eben so durch den Kopf geht, wenn ich ein wenig leer und sozial verarmt (danke Lockdown)1 auf dem Balkon sitze…

Der Schreibprozess ist etwas erhebendes. Nichts lässt mich lebendiger fühlen, als am Schreibtisch zu sitzen, zu vergessen, dass ich in einer kleinen Wohnung in einer mittleren Stadt wohne und mich vollends meinen Gedanken hinzugeben. Die Illusion, dass es nichts höheres oder wichtigeres als die eigenen Worte auf der Welt gibt. Dass diese Worte bestimmt sind für ein jedes Auge, dass man damit die gesamte Menschheit berühren und erreichen möge. Na gut, vielleicht gehe ich selbst in meinen kühnsten Träumen nichtmal ganz so weit… Dennoch schreibe ich immer mit dem Gefühl, etwas unsagbar wichtiges zu tun. Letztlich ist und bleibt es aber wohl ein großer Schritt für mich und ein kleiner für die Menschheit 😉

Wenn ich schreibe, bin ich zuhause, weil ich eben nicht zuhause bin. Will heißen: Ich sitze zwar an meinem Schreibtisch, bin dort, wo ich wohne, was ich mein „zuhause“ nenne, doch so wirklich zuhause bin ich erst in der von mir erdachten Geschichte. Die Geschichte wird größer und größer und nimmt mich auf ihren Schwingen mit, dahin, wo ich sein will.

Nun habe ich, wie erwähnt, die erste Fassung meiner Erzählung beendet. Der große Vogel ist also hoch oben in der Luft.
Und ich?
Nun, ich muss feststellen, dass ich doch noch immer am Boden bin und nichts anderes kann, als meinem Vöglein hinterher zu schauen und zu denken „Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund“…

Das soll nicht bedeuten, dass ich unzufrieden mit mir oder der Geschichte bin. Es soll nicht heißen, dass ich merke, dass das Schreiben nicht so erfüllend ist, wie ich immer wieder sage.
Es bedeutet, dass egal ist, was ich schreiben werde, egal, wie sehr ich in meiner Fiktion erblühe, für das lebe, was ich tue, in dem lebe, was ich tue… am Ende bleibt es doch nur Fiktion und ich bleibe zurück. Die Geschichte wird mich nie in sich aufnehmen, von dieser Welt tilgen und mich selbst Geschichte werden lassen, nein. Ich werde zurück bleiben und die Stellung halten müssen.

Das ist für viele wohl keine Überraschung, für mich jedoch eine Art Ernüchterung.
Nichts, was mich aufhalten wird, doch ein Gedanke, mit dem ich mich weiter auseinander setzen muss.
Und wer weiß, vielleicht bin ich ja auch gar nicht auf die Flügel meiner Geschichten angewiesen, sondern mir wachsen bald selbst welche 😉

Liebste Grüße
von der Luna ❤


1 So langsam verliere ich die Geduld und bereue es, den ganzen Mist so ernst zu nehmen. Wie schön muss es sich als Corona-Leugner leben? Da habe ich mich nun darauf gefreut, dieses Wochenende anlässlich meines Geburtstags meinen Vater und einen Freund zu treffen (natürlich alles nach Vorschrift), doch ein Kratzen im Hals und ein unbestimmtes Krankheitsgefühl, welches ich ansonsten wohl kaum beachten würde, hält mich davon ab. Mit Sicherheit ist es nichts, doch die Vorsicht siegt und somit auch die schlechte Laune…

13 Antworten auf „So etwas wie Ernüchterung?

  1. Na, dann auch von mir aus dem tief verscheiten Süden herzliche Glückwünsche, liebe Luna. Ich sehe, meine Unart, Fußnoten zu setzen, färbt ab.😁 Ich kann dich gut verstehen. Texte sind wie Kinder. Irgendwann verlassen sie dich und leben ihr eigenes Leben, gehören sogar plötzlich zu jemand anderem. Du kannst sie nur noch stolz oder mit Sorge von der Ferne beobachten.

    Ja, der nicht enden wollende Lockdown, der gefühlt schon 100 Jahre dauert … Inzwischen versuche ich, ihn als Chance zu begreifen, die mir Zeit für viele Dinge schenkt, die ich sonst kaum unternommen hätte. Aber ich bin Schriftsteller, ich habe eh kaum soziale Kontakte, die ich pflegen muss. 🤗 Grüße!

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    1. Vielen Dank 🙂
      Und ich muss gestehen, bei der Fußnote kam ich nicht umhin an dich zu denken^^
      Natürlich, meine sozialen Kontakte sind dank meiner Eigenart des Schreibens auch nicht sehr umfangreich… Doch dann noch zusätzlich Lockdown… Ich habe das Gefühl, beinahe gar kein soziales Wesen mehr zu sein. Zumal ich komischerweise trotzdem kaum mehr Zeit habe. Klappt alles nicht so wirklich

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  2. Liebes Lunchen,

    Deine wichtigste Botschaft steht in der Fußnote geschrieben: Die, dass Du Geburtstag hast (heute oder gestern?)! – Denn es ist wunderbar, dass es Dich gibt, dass Du da bist, ein bisschen sogar immer wieder für mich. Durch alle Deine Zeilen lese ich von einer sehr liebenswerten, grundsätzlich lebensfrohen, zugleich einfühlsamen und sehr natürlichen Aura, jener, die ohne Zweifel die Deine ist. – Ich gratuliere Dir aus tiefstem 💗 zu Deinem Ehrentag, wünsche Dir Glück und Gesundheit und viele freudige Momente und, dass die Flüglein weiter wachsen werden. Begonnen haben sie damit schon, glaube mir nur, das habe ich bemerkt!

    Gib‘ Dir Zeit mit Deinen Geschichten, nicht nur beim Schreiben. – Dass Du schreibst, ist zweifelsfrei wichtig, nicht nur Du empfindest das. Du hast etwas zu sagen und Du strahlst in und durch alle Deine Zeilen etwas aus, was es wert ist, erkannt, bemerkt und bewahrt zu werden.

    Ich lasse Dir in diesem Sinner allerliebste Grüße hier❣💚💐🎂🍸🍀

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    1. Oh vielen Dank mein lieber! Ich habe wirklich ausnahmslos sehr schöne und originelle Glückwünsche erhalten, doch dieser hier ist etwas wahrlich besonderes… ich danke dir dafür. Deine Worte schaffen es immer wieder, mich aufzufangen und zu bekräftigen!
      Manchmal scheint mir „Sternenflüsterer“ gar falsch gewählt – denn oft wirkt es so, dass nicht du zu den Sternen flüstert, sondern sie dir mitsamt dem ganzen Universum etwas zuflüstern und du dieses weiter trägst. (Das denke ich nicht nur bei deinen Kommentaren, sondern natürlich insbesondere bei deinen Beiträgen, Versen und Sprüchen)

      Aller liebste Grüße an dich!

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      1. Mit dem Sternflüstern hat es eine ganz eigene Bewandtnis. Auf meinem Blog gibt es oben einen Button „Über diesen Blog und das Sternflüstern“, da findest Du die Erklärung dazu. – Dessen ungeachtet ist Deine Interpretation eine sehr liebe und wertschätzende. Danke dafür, Lunchen, sie hat mich sehr berührt.
        Schlaf schön und träum vom glücklichen Fliegen … ❣💚😴✨

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  3. Zuallererst mal meine herzlichen Glückwünsche zum Geburtstag! Wenn auch vermutlich verspätet, aber Gutes kann man eigentlich gar nicht oft genug wünschen 😉 Ich hoffe, du hattest trotz der Einschränkungen einen schönen Tag! (Und gute Besserung für dein Halskratzen!)

    Die Leere, die eine beendete Geschichte hinterlässt, ist eine ganz besondere Leere. Sie kann schwer zu überwinden sein, aber am Ende überwindet man sie doch. Mir kommt sie immer vor wie die trockene, rissige Erde zwischen zwei Oasen, wenn mir der hochtrabende Vergleich gestattet ist. Davor und danach steht die Erfüllung des Schaffens; der Weg dazwischen mag trocken und leer erscheinen, aber er regt doch die Gedanken an.
    Mir gefällt der Gedanke, dass einem auch unabhängig von der Geschichte Flügel wachsen können. Darauf hoffe ich sehr!

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    1. Vielen Dank für die Wünsche 😊

      Zum Glück falle ich noch nicht in die bodenlose Leere, da ich weiterhin überarbeiten kann. Was auch eine sehr aufregende Reise ist. Aber das kennst du ja 😉

      Liebe Grüße!

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  4. Liebes Schreibmaschinchen,
    Da hüpfe ich doch gleich auch noch auf das Trittbrett und wünsche:
    Ein ereignisreiches, umfangreiches literarisches Schaffen, Dir, und dass Dein Fleiß im neuen Lebensjahr viele Beiträge hier im WordPress hervorbringt, vielleicht sogar eine Veröffentlichung bei einem Verlag und/oder bei Amazon ansteht – ja, vielleicht sogar ein Preis, eine Auszeichnung!
    Geniesse Deinen Tag!
    Außerdem bin ich etwas neugierig auf Deine angekündigte Geschichte; darf ich fragen: “In welcher Erzählperspektive spielt Deine Geschichte? – und weshalb?”
    Ich frage deshalb (so persönlich), weil für die Verfassung meiner Erzählung und zum Meinungsaustausch Deine Angaben bei der Entscheidfindung bei uns beiden sowohl Bestätigung als auch Bestärkung einstellen und auslösen könn(t)en.
    Nochmals:
    “Carpe Diem”
    Vom Staatsschreiber

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    1. Ich danke dir für deine Wünsche – bei diesen Vorstellungen hüpft mir gleich mein Herz zum Halse 😉

      Die Erzählung ist in Tagebuchform – Ich Perspektive. Das fiel ganz glücklich zusammen. Zum Einen hatte ich die Idee dieser Geschichte schon eine Weile im Hinterkopf, zum Anderen war ich etwas frustriert von meinem Roman, an dem ich arbeite. Der Roman ist etwas komplexer und ich arbeite mit einem allwissenden Erzähler – eine Perspektive, die mir die liebste ist. Doch in mir war schon seit einer Weile das Bedürfnis erwacht, ein bisschen persönlicher zu erzählen. Die Tagebuchform passt somit zu meinem Bedürfnis, aber auch zum Inhalt meiner Erzählung, weshalb ich diese eben begonnen habe.

      Was schwebt dir denn für ein Perspektive vor und was ist überhaupt die Handlung? Hast du bereits angefangen, etwas zu schreiben?

      Für einen Austausch unter Schreibenden bin ich immer zu haben und es freut mich sehr, dass du die Frage gestellt hast! 🙂

      Liebe Grüße!

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  5. Liebes Schreibmaschinchen,

    Vielen Dank für Deine rasche Antwort.

    Ja, angefangen habe ich schon. Und seither finde ich nachts kaum mehr Schlaf.

    Du wechselst also vom auktorialen Erzähler zur Ich-Perspektive und zurück. Das ist absolut legitim, zeigt auf, dass Du bewusst oder unbewusst einen moderneren Schreibstil wählst und anwendest.

    Meine Fassung ist noch nicht soweit fortgeschritten, als dass sie schon druckreif wäre – gegenwärtig bin ich am Nach- und Überarbeiten: Tatsächlich verfüge ich mit meinen 50-Plus-Jahren über einen größeren Fundus an Lebenserfahrung und an Geschichten, die erzählt und gelesen werden wollen; auch spüre ich mit Deiner Rückmeldung, dass ich in der Anwendung von wechselnden Erzählperspektiven weniger sattelfest mich bewegen würde, nicht, weil ich etwa langsam zur “Alten Garde” zugehörig werde, sondern vor allem, weil ich das “Raum-Zeitkontinuum” in einer Zeitspirale oder in einem steten Ablauf auf einer linearen Zeitachse vor mir sehe.

    Wusstest Du, dass Patrick Süskind rund zehn Jahre das Ende seines Bildungsromans kannte, bevor er mit “Das Parfum – Geschichte eines Mörders” zu schreiben begann?
    Nun, meine Erzählung scheint gewissermaßen viel, viel länger anzudauern, als die Zeit, welche ein Huhn braucht, um ein Ei zu legen geschweige denn eines auszubrüten.

    Auf das Resultat kommt es schlussendlich an, gell: Ein Drei-Minuten-Ei wird an einem Tag gelegt und bis ein Küken ausschlüpft vergehen 21 Tage nach der Begattung durch den Gockel: Erzählungen, Geschichten dürfen meiner Ansicht nach durchaus etwas länger Zeit in Anspruch nehmen – der Freigeist des Homo sapiens hält sich eben an keinen festen, vorgegebenen Zeitplan, -rahmen….

    Danke für Deine wertvolle und persönliche Einsicht und Stellungnahme und bis bald

    Der Staatsschreiber

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    1. Lieber Staatsschreiber,

      Ich wechsel nicht innerhalb der Erzählung die Perspektiven hin und her, dafür fehlt auch mir bisher die Übung. Ich meinte nur, dass ich in meinem Roman den allwissenden und bei der Erzählung den Ich-Erzähler verwende.

      Dass die Geschichtn mitunter länger zum Reifen und Entstehen brauchen, ist mir mehr als vertraut… so langsam finde ich endlich meine Geduld damit. Wenn man nicht Pfuschen will, muss man eben bedacht vorgehen.

      Welche Erzählperspektive verwendest du? Das hast du nun noch nicht verraten 😉

      Liebe Grüße,
      Luna

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  6. Liebes Schreibmaschinchen,

    Entschuldige, ich war übernächtigt. Nachdem ich deinen gestrigen Antwortkommentar erneut gelesen habe, bemerkte ich den Fehler. – Nichtsdestotrotz findet man in der modernen Literatur neuerdings Geschichten mit wechselnder Erzählperspektive, ist jedoch, wie erwähnt, auch nicht mein Ding; zu modern, meiner Meinung nach.

    Die Erzählung, mit der ich mich beschäftige, spielt in der Zentralschweiz in der Zeit kurz vor dem “Pillenknick”. Es ist eine Art Detektivgeschichte, eine Familienchronik, eine Groteske.

    Ich wähle nach reichlicher Überlegung doch nicht die Ich-Erzählperspektive, aus vielerlei Gründen, sondern aus der auktorialen Erzählperspektive.

    Daraus ergeben sich aus meiner Sicht bessere Kombinationen, Gespräche und Dialoge zwischen dem Protagonisten und den involvierten Familienmitgliedern.
    Gute Übernachtung, Dir, und

    bis bald

    Der Staatsschreiber

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    1. Familienchronik und Detektivgeschichte klingt sehr nach meinem Geschmack! Ich hoffe, man wird davon lesen können, sobald die Zeit reif ist 🙂

      Der auktoriale Erzähler passt dazu in jedem Fall sehr gut.

      Schönen Abend dir noch und liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

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