Rezension: Albert Camus – Dramen

Seid gegrüßt!

Ich begebe mich mal wieder auf mir bekannte Pfade und durchforste ein wenig das Werk Camus‘. Es ist eine sehr passende Inspirationsquelle für meine Erzählung, um so passender war es, als ich vor kurzem im Antiquariat über seine Dramen stolperte. Voll und ganz konnten sie mich aber leider nicht überzeugen…

Wer ist denn Camus (1913-1960)?

Ganz einfach: Einer der bedeutendsten Philosophen des letzten Jahrhunderts und neben Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir die prägende Gestalt im französischen Existenzialismus.

Den Existentialismus kurz zu beschreiben ist kaum möglich, ohne gravierende Sinnlücken zu hinterlassen – doch da sind wir wohl schon genau beim Thema. Es wird sich erbarmungslos mit dem „Sinn“ auseinander gesetzt. Der Mensch wird zunächst als das betrachtet, was er ist, eine Existenz, mehr nicht. Von mehr ist nicht auszugehen, kein Sinn, kein höheres Ziel. Der Mensch erträgt dies natürlich nicht und somit lebt die Gesellschaft in Absurdität und in Lüge. Diese beiden Begriffe sind für Camus zentral. Er stellt sich die Frage, wie man die Lüge überwinden und trotz Absurdität und Sinnlosigkeit weiter leben kann.

Es ist ein rabiates Denken, das zunächst alles zerstört, viel von einem abverlangt, mitunter ein dunkles Loch sein kann – doch man kann mit Stärke aus dieser Dunkelheit heraustreten. Denn trotz der vielen schweren Gedanken schafft es Camus, eine seltsame Hoffnung zu geben. Wenn man auf nichts hoffen kann, dann bleibt man eben nur selbst. Man muss seine Freiheit leben, sich selbst seinen Sinn geben. Wie man das genau schaffen kann, ist dann allerdings schon wieder die nächste Krise…

Camus hat philosophische Schriften verfasst (Der Mythos des Sissiphos), aber auch Romane geschrieben (Der Fremde, Die Pest) und eben Dramen verfasst. Er hatte ein recht bewegtes Leben der Extreme und ist leider viel zu früh gestorben. So makaber es ist, aber mir scheint sein Tod wie der einzig für ihn erdenkliche. Er, der schrieb „Lieber ein Jahr Leben, wie ein Tiger, als 1000 Jahre, wie ein Schaf“ kam bei einem Autounfall ums Leben. Er und ein Freund fuhren auf dem Weg zu einer Feierlichkeit in extrem überhöhter Geschwindigkeit über die Landstraße und prallten gegen einen Baum.

Die Dramen

In meinem Band sind „Caligila“, „Das Mißverständnis“, „Der Belagerungszustand“, „Die Gerechten“ und „Die Besessenen enthalten.
Auf alle Dramen einzugehen würde viel zu sehr ausarten, vielleicht werde ich demnächst gesondert Rezensionen über meine liebsten Stücke schreiben.

Ich muss gestehen, dass ich nicht zur Lektüre aller Dramen raten kann, vielleicht insbesondere nicht an einem Stück.
Es macht zwar Sinn, da man so besser die philosophische Idee dahinter erfassen kann, doch es ist auch schrecklich ermüdend.
Ich war erleichtert, als ich endlich das Buch zuklappen konnte und nicht mehr seitenweise große Töne von weltbewegenden Ideen und unerträgliche Romanzen lesen musste. Ich las Camus‘ Prosa ausgesprochen gern, doch die Dramen holen mich nicht ab. Vielleicht müsste man es auch einfach im Theater gesehen haben, doch offen gestanden stell ich mir auch das nicht bekömmlich vor.

Es sind eben Dramen und für gewöhnlich liebe ich eben solche, doch hier war es mir etwas viel. Mein Freund saß neben mir auf dem Sofa, als ich das letzte Stück beendete und musste doch sehr lachen, als ich mit einem erleichterten Seufzen ausrief: „Na endlich, jetzt sind’se alle Tod. Was ein Glück!“

Das Philosophische Konstrukt dahinter ist für mich weiterhin sehr bewegend und bereichernd, doch wie soll ich sagen? Inhalt 1, Form 5? Wie gesagt, es ist schwer zu verallgemeinern.

Doch fürs Erste soll es das gewesen sein. Demnächst werdet ihr mit Sicherheit ein bisschen mehr erfahren – Camus‘ Gedanken sind nämlich viel zu spannend dafür, dass man sie nicht diskutiert!

Liebe Grüße
von der Luna ❤

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