Wir vergiften uns…

Seid gegrüßt!

Eigentlich sollte ich wohl schreiben „Ich vergifte mich“, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ein großer Teil von euch genau das gleiche Problem hat. Das wahrscheinlich sogar ein großer Teil der Gesellschaft ein Problem damit hat. Ein Problem damit, sich zusammen zu reißen und statt sich einer Serie auf Netflix oder Amazon Prime hinzugeben, etwas produktives zu machen.

Mit produktiv meine ich nun nicht unbedingt Abwaschen, Staubsaugen oder Arbeiten. Das macht man irgendwie immer, weil man eben muss. Es ist unausweichlich. Selbst, wenn ich mich im Serienmarathon verliere, bringe ich es zustande, einkaufen zu gehen.
Was ich aber nicht zustande bringe, ist den Mist mal aus zu machen und lieber ein Buch zu lesen oder einen Essay, selbst ein Buch oder Essay zu schreiben, meine Gedanken zu allem möglichen auf Papier zu bringen oder nichts zu machen und einfach nur still zu sein, zu lauschen ins Nichts, einen Spaziergang ins Ungewisse zu unternehmen. All das fällt flach.

Mit dem übervollen Angebot der quellend bunten Startseiten von Netflix und Co. werden wir von tausenden lustig lauten Komödien, triefenden Romanzen, männerstrotzender Action und magischen Superhelden dermaßen erschlagen, dass wir sorglos vergessen können, wer wir sind. Nichtmal einen Abspann muss man sich noch anschauen dank der automatischen Wiedergabe bei Serien. Somit muss man gar nicht erst befürchten, dass man das gesehene noch verarbeiten kann. Und ist die Serie nach 2 Staffeln endlich vorbei, dann wird sogar automatisch die nächste (mehr oder weniger) passende Serie abgespielt, sofern man nicht schnell genug abhaut.

Woher ich das alles weiß? Weil ich mich in einem aufopferungsvollen Selbstexperiment diesem Teufelszeug ausgesetzt habe – rein für Forschungszwecke, versteht sich.
Ihr ahnt, die letzten Wochen waren sehr… wie soll ich sagen… Serienbelastet.

Leider Gottes gibt es eben einige wirklich gute Serien und wenn man nicht stark genug ist, dann erliegt man dem Sog und vergiftet seinen Geist.
Je nach Serie kann man tatsächlich an der Stumpfsinnigkeit verblöden und selbst, wenn der Inhalt der Serie eigentlich sogar nachdenklich stimmen mag – es ist und bleibt Zerstreuung, die nicht nur keine wirkliche Tiefe für den Moment parat hat, sondern mitunter sogar den Geist für längere Zeit träge und somit nur noch anfälliger für das nächste Serien“abenteuer“ macht.

Es ist makaber, wenn mir die wunderbar frisierten und gestylten Charaktere auf meinem Bildschirm immer wieder wiederholen, dass ich etwas ganz besonderes bin und den Unterschied machen kann, dass ich meinen Weg gehen muss, mich nicht nur treiben lassen darf, dass es allein an mir liegt und ich mein Schicksal in die Hand nehmen muss und dann alles erreichen kann, was ich will…, während ich ungeduscht in Jogginghose auf dem Sofa liege und daran denke, dass ich, wenn ich die Serie ernst nehmen würde, am nächsten Tag direkt meinen Job kündigen müsste.
Doch natürlich mach ich das nicht, sondern begebe mich weiter auf Arbeit und lebe mein Leben, das um so vieles erfüllter sein könnte, wenn ich mich nicht berieseln lassen würde.

„Throw away your television“, riefen Red Hot Chili Peppers 2002 und ich glaube, das sollte man heute mehr denn je.
Das klassische Fernsehen war natürlich bereits ein enormer Zerstreuungfaktor, doch ich glaube Netflix und Co. sind, gerade für meine und jüngere Generationen, reines Gift. Das gefährliche ist dieser verdammt gute Algorithmus, die Fähigkeit, perfekt vorherzusagen, was für mich interessant ist und das Benutzererlebnis so zu gestalten, dass man möglichst viel Zeit auf der Plattform verbringt und konsumiert.

Dabei ist doch das, was uns Menschen Mensch sein lässt, Dinge zu erschaffen, Dinge zu erdenken.

Mich bringt ein Tag der Stille weiter als alle Tage zusammen genommen, die ich Serie geschaut habe.
Ich will Serien nicht ihren Sinn absprechen, sie können wunderbar entertainen. „Stranger Things“ und „Dirk Gentlys hollistische Detektei“ sind für mich definitiv Kunst. Ich kann damit wunderbare Tage verbringen, die mich zutiefst unterhalten.
Aber mehr eben auch nicht.
Und je mehr man schaut, je mehr man anfällig ist für digitale Ablenkungen (Soziale Medien, Youtube, Online-Nachrichten), desto weniger denkt man. Desto weniger kann man in die Tiefe gehen. Desto weniger kann man sich selbst verstehen, die Welt verstehen, in der man lebt und desto weniger Großes bringt man hervor.

Ich beneide alle Autoren, die vor dieser digitalen Welt lebten.
Natürlich, jede Zeit hatte ihre Tücken, das ist ganz klar. Je weiter wir zurück gehen, desto beschwerlicher das Leben, desto mehr Sorgen gab es (Die Kriege muss ich nicht extra erwähnen, oder?). Die Ablenkungen und Anstrengungen für Autoren waren mit Sicherheit da, wenn auch andere.
Dennoch glaube ich, dass wir heutzutage (Ich hasse dieses „heutzutage“. Selbst den besten Historiker:innen ist es unmöglich, die Vergangenheit umfassend abzubilden, warum also sollte ausgerechnet ich wissen, was „heutzutage“ so anders ist als gestern. Und warum heißt es nicht „gesternzutage“? Wäre doch nur fair. Aber das alles nur am Rande…) mit all den digitalen Zersteuungen einem unfassbaren Ausmaß an Ablenkungen ausgesetzt sind.

Ich bin nicht so stark, wie ich gerne wäre. Erst recht, wenn ich kaputt von der Arbeit und dem geliebten Alltag bin, fällt es mir schwer, weltbewegende Gedanken zu Papier zu bringen. Dann ist der Laptop schnell aufgeklappt und zu Netflix ist es nur ein Klick. Während ich schaue, bin ich unterhalten, doch sobald der Bildschirm Schwarz ist, ist auch in mir eine Leere.
Weil ich weiß, dass es mir nicht gut tut.

Doch Erkenntnis ist wie immer der erste Schritt. Auch, wenn diese Erkenntnis mir – und mit Sicherheit auch euch – nicht neu ist, ich sie immer wieder aufs neue hatte und mein Leben danach ausrichtete, dann allerdings wieder schwach wurde, erneut die Erkenntnis gewann, um mein Leben danach umzustellen, bis ich wiederum schwach wurde…
Ich will sagen, dass diese Phase wohl oder Übel immer wieder kommen wird. Es gibt auch Zeiten, in denen ich frei von allen digitalen Sünden bin. Ich will mich nicht geißeln, denn das hat wohl noch nie geholfen. Ich kann mich nur bessern und mein Leben so ausrichten, dass es mir gut tut. Und dabei hilft es eben, immer wieder einen prüfenden Blick auf sich Selbst und seine Gewohnheiten zu werfen.

So, nun habt ihr euch bis hier her gekämpft und gerade bei dem Thema würde es mich freuen, wenn ihr eure Gedanken mit mir – mit uns – teilt.
Vielleicht wollt ihr mir widersprechen, weil ihr bereits lebensverändernde Erfahrungen dank Serien erlebt habt. Vielleicht motivieren euch auch die Geschichten in nie da gewesener Weise! Ich freu mich auf jeden Fall auf eure Ansichten – und vielleicht bin ich ja auch nicht ganz so allein mit meinen Gedanken.
Schafft ihr es, ein gesundes Maß zu finden? Müsst ihr euch zügeln, oder klappt das ganz von allein?

Ich bin – wie immer – sehr neugierig und freue mich auf eure Kommentare.

Liebe Grüße
eure Luna ❤

Titelbild: Photo by Thibault Penin on Unsplash

14 Antworten auf „Wir vergiften uns…

  1. Bekenntnis einer Süchtigen?
    Ich finde es per se unbequem, irgendwelche bewegte Bilder an einem Laptop zu konsumieren – der ist für die Arbeit da!
    Stichwort „heutzutage“ und früher: Da hatten wir drei Programme über Antenne. Und wir hatten noch ein schwarzweiß Röhrenfernseher. Unsere Lieblingskinderserien, „Daktari“, „Flipper“, „Lassie“ & Co. liefen am Samstagnachmittag je eine Folge. Und dann wieder eine Woche warten, bis es weiter geht.
    Samstagabend war auch die ganze Familie um viertel nach acht vor dem TV. Ein Gemeinschaftserlebnis. Mutter kreischte, wenn ein Mörder um die Ecke kam, wir stellten Fragen, wenn wir etwas nicht verstanden und Papa genoss sein Wochenende bei einem Glas Bier.
    Bis heute finde ich daran nichts verkehrt!
    Netflix oder wie sie alle heißen, betrifft mich nicht mehr. Ich kann nicht für alle in meiner Generation sprechen, aber Dein Bericht / Bekenntnis spricht Bände! Das möchte ich dann auch nicht …

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    1. „Bekenntnis einer Süchtigen“ trifft es auf den Punkt!
      Das, was du beschreibst, kann ich mir ja wirklich nur vorstellen – und muss wirklich sagen, dass mir die Vorstellung davon gefällt. Klar, die Verfügbarkeit von Filmen und Serien ist schön, es gibt Haufen gute Produktionen… Aber es frisst die Zeit. Ich glaube, ein Großteil der Menschen ist nicht fähig, sich zu beherrschen, insofern ist eine solch schmale Senderauswahl auch von Vorteil.
      Ansonsten habe ich aus meiner Kindheit und Jugend auch noch Erinnerungen, wie ich jeden Mittwoch Abend mit meiner Mutter vorm Fernseher saß, weil da zwei Folgen „Merlin“ liefen. Ach, war das herrlich. Immer, wenn es vorbei war, war man sauer und wollte sofort wissen, wie es weiter geht, doch nach ein paar Minuten war dieses Gefühl der Vorfreude gewichen…

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    2. Nun schaffe ich es auch nicht, alle Gedanken in einen Kommentar zu sortieren ^^

      Diese Sucht ist schon generationsübergreifend, aber ich glaube, dass es für Leute meines Alters und jünger um so schwieriger und auch gefährlicher ist. Es ist so natürlich und selbstverständlich. Anbetracht dessen, dass ich mein restliches Leben (60 Jahre?!) in einer wahrscheinlich (sofern es nicht zum Weltuntergang kommt und alle Technik zerstört wird) durchweg digitalisierten Welt leben werde, ist es schwer, sich aus allem komplett raus zu nehmen. Ich wäre gern eine Omi, die sagen kann „Ach, diese Technik, wozu brauch ich das denn noch?“ Irgendwie muss ich meinen Weg in dieser Welt finden, deren Gestalt mir immer weniger gefällt. Und je normaler all das ist, desto schwieriger ist es, dagegen anzukommen. Denn ist man einmal im Strudel der süßen Ablenkungen gefangen, ist es schwer, heraus zu kommen. Das Silicon Valley weiß schon, was es tut…

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      1. Nee, das ist nicht die lunaewunia, die ich gelobt habe! Hier gibst Du Deine Verantwortung an das Silicon Valley ab. Und findest dabei nicht mal Deinen Frieden! Für Entweder-oder-Typen wie mich ist das nur schwer zu ertragen, verstehst Du?
        Anders als in anderen Bereiche des Lebens, in denen man funktionieren muss, wie bei der Arbeit, ist doch die Freizeit immer noch frei – sich der Ablenkung der Serien zu überlassen also Dein freier Wille. Sich dabei aber nicht wohl zu fühlen, ist für mich ein Matsch in der Konsequenz. Oder Du hast ein überzüchtestes Gewissen … Bitte entschuldige meine wieder mal deutlichen Formulierungen.

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      2. Na ein Glück, dass es nicht mein oberstes Ziel ist, von dir gelobt zu werden 😉

        Natürlich liegt es an mir, meine Freizeit zu gestalten und natürlich bin ich zu schwach, wenn ich der „Sucht“ erliege und natürlich macht man es sich leicht, wenn man eine Anwendung per se vertäufelt, anstatt zu sagen, dass der Anwender die Macht über sein Handeln hat.

        Doch ich glaube, man muss sich bewusst sein, warum diese Anwendungen so aufgebaut sind, wie sie sind. Sie sollen süchtig machen. Das ist der Kapitalismus im digitalen Bereich. Das muss man verstehen. Insofern sehe ich natürlich die Verantwortung auch bei den Machern.
        Aber zum Glück habe ich ja immer noch die Macht, mein Handeln zu reflektieren und zu ändern 😉

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  2. Ich bin etwas stolz auf Dich! Du bist ehrlich Dir gegenüber! Da ist auf der einen Seite ein neues Medium, auf der anderen Seite reflektierst Du Deinen Konsum. Deine wahre Weisheit liegt darin, dass Du erkennst, schwach zu sein, leicht ablenkbar, es können, aber vielleicht nicht wollen – und es doch tun!
    Das ist für mich Stärke! Auch wenn es das Problem an sich noch nicht löst.

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  3. Du weißt schon, dass du hier schon ein wenig über Erstweltprobleme lamentierst? In jedem Medium steckt auch die Gefahr, ein wenig von ihm in Abhängigkeit zu geraten. (Bei mir ist das z. B. Computerspielen). Aber diese Abhängigkeiten bereichern im Gegensatz zu Süchten das Leben. Ist ein Unterhaltungsmedium denn schlechter als das andere? Ist es besser, ein Buch zu lesen, aber dafür verwerflicher, eine gute Netflix-Serie zu „bingen“? Alles zu seiner Zeit, würde ich sagen. Abends kann ich nicht mehr schreiben und denken. Da lasse ich mich berieseln, bis ich ins Bett falle. Und da kommt mir die Auswahl, die ich durch das übrigens werbefreie Streaming habe, gerade recht. Im Gegensatz zum Fernseher, der eigentlich nie das sendet, was ich gerade sehen will, kann ich selbst entscheiden, was ich wann sehen will (und muss auch nicht eine Woche warten, bis es weitergeht). Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich bin froh, dass das heute möglich ist. Ich bin auch in der Zeit aufgewachsen, in der es nur eine Handvoll Fernsehsender gab (wir in Südbayern empfingen noch ORF und die Schweiz – deshalb kann ich Schwyzerdütsch) und wir Kinder nicht Daktari oder Enterprise nicht angesehen konnten, weil gleichzeitig die Sportschau lief. Das Problem ist – glaube ich – ein anderes. Wir wissen es nicht mehr wertzuschätzen, was uns angeboten wird. Früher hat man lange für eine LP gespart und es dann zelebriert, die Musik zu hören – sie wirklich zu hören. Heute streame ich rund um die Uhr Musik, kann mit einem Mausklick fast jedes Buch der Welt auf meinen E-Book-Reader laden und alle 100 TOS-Folgen von Enterprise hintereinander genießen. Da ist der Kick weg. Aber wie gesagt: Das sind Erstweltprobleme. Eines noch: Die Bücher des 19. Jhds. sind deshalb so endlos lang, weil die Leser dies forderten. Sie erschienen in „Lieferungen“ und Fortsetzungen, also als eine Art von Serienfolgen. Die wurden dann Abends in der Familie vorgelesen. Später diente das Radio für diesen Zweck. Da war damals schon irgendwie Netflix.

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    1. Natürlich sind es Erste Welt Probleme, doch was auf unseren Blogs entspricht bitte nicht dieser Kategorie? Zumal ich dieses Totschlagargument hier nicht mal greifend finde. Der Konsum digitaler Medien hat eine enorme Beeinflussung auf die Gesellschaft und das Individuum. Natürlich nicht eine solche, wie eine Hungersnot, dennoch eben auch nicht von der Hand zu weisen.

      „Ist es besser, ein Buch zu lesen, aber dafür verwerflicher, eine gute Netflix-Serie zu „bingen“?“
      Ja! Ja absolut! Ich verstehe deinen Punkt, dass ein Buch letztlich auch nur ein Medium ist. Dessen bin ich mir bewusst. Es ist auch Unterhaltung und Ablenkung, man selbst erschafft nichts. Doch wie du es selbst sagst: Man kann auch nicht immer etwas schaffen, manchmal ist man selbst geschafft. In diesem Zustand lockt natürlich der Fernseher. Aber dieser ist eben doch ganz anders, als ein Buch. Die Ablenkung durch ein Buch ist nie derart einnehmend, wie ein Film. Natürlich kann man gebannt von einem Buch sein und alles um sich herum vergessen, aber die Sinne werden anders beansprucht. Der Geist wird anders beansprucht. Ich konsumiere, bin dabei aber doch minimal kreativ und kann vor allem auch meinen Gedanken nachhängen. Bei einem guten Buch halte ich inne, lass die Gedanken schweifen. Bei einer guten Serie schau ich nach 3 Stunden auf die Uhr und frage mich, ob ich überhaupt noch lebe.

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      1. Gut. Dann werde ich mal versuchen, die ausufernde Diskussion auf ihr meiner Meinung nach eigentliches Thema zu fokussieren. Die Streamingdienste sind nicht der Eingang ins Purgatorium, sondern die zeitgenössische Form einer Videothek. Man leiht dort gegen Gebühr Medien aus, in diesem Fall Filme. Meine Gemeindebücherei macht das mit Büchern (bei E-Books sogar online). Daran ist nichts böse oder verwerflich. Der Kernstreit ist also der ums Medium – und der ist schon über 100 Jahre alt: Buch vs. Film.
        Betrachte ich die Wirklichkeit, dann wird mehr geglotzt als gelesen. Trotzdem ist natürlich das Buch IMMER besser. Aber meisten kennen die klassische Literatur nur durch ihre Verfilmungen. Der Film ist ohne Buch übrigens undenkbar – die Voraussetzung für ihn ist immer ein literarisches Werk, zumindest ein Drehbuch (Hier wird das Schreiben für uns übrigens Autoren lukrativ). Der Film ist auch die Weiterentwicklung des Theaterstücks; die Schauspieler kommen zu mir nach Hause.
        Auch in der Stadtbücherei steht im Angebot der größte Mist neben Hochwertigem, Pornografie neben zarter Liebe, Thriller-Trash neben literarischem Krimi, gehobene Fantasy neben Schlachtszenarien, politische Agitation neben Dokumentation, Kinderbuch neben Horror. Ich kann in der Bücherei die Bildzeitung und die Zeit entleihen, ein Magazin über Fischfang ebenso wie über Philosophie. – Netflix, Amazon, Disney+, etc. bieten mir zu allem Äquivalente. Da ist es arrogant, zu werten, denn letztendlich liegt es an den persönlichen Vorlieben des Konsumenten, wozu er oder sie greift und ob er mit diesen Medien auch umgehen kann. Da möchte ich oft verzweifeln, dass niemand meine Bücher liest oder auf die Idee kommt, den „Geltsamer“ zu verfilmen. Damit muss ich aber leben.
        Eines noch: Viele Bücherreihen wecken zumindest bei mir ebenso „Suchtverhalten“ wie gut gemachte Serien. Ich fresse sie, für die Welt, die Zeit und mein Umfeld verloren, durch und giere nach neuem Stoff. Ist der vorhanden, lese ich alles am Stück durch. Ich habe kein Problem damit, vollkommen einzutauchen und für Stunden 600 – 700 Seiten am Stück zu lesen. Das ist eine sehr einsame Beschäftigung. Wenn ich hingegen eine Serie „binge“, mache ich das in Gesellschaft und tausche mich währenddessen mit Frau Klammerle darüber aus – auch wenn ich nur wieder einmal vor ihr den Mörder erraten habe.
        Nein, ich weiß wirklich nicht, warum du die Streamingdienste als „Giftschrank“ bezeichnest. Gerade im Corona-Lockdown bin ich für diese Angebote dankbar. Weiterhin halte ich es allerdings für äußerst problematisch, dass heute jedes Buch und jeder Film und jede Musik auf Knopfdruck augenblicklich verfügbar sind und zumindest ich dazu neige, mir wie an einem Buffet zu viel aufzuladen und mich zu überfressen. Auf die Weise verliert alles Geschmack und ich wertschätze es nicht mehr richtig.
        Liebe Grüße

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      2. Tatsächlich geht es mir gar nicht so sehr ums Medium – Buch, Film und Serie haben alle ihre Berechtigung und sind grandios. Der einzige Punkt ist, dass Bücher meiner Meinung nach eben mehr Raum in uns lassen, uns zu mehr Kreativität anregen, als Filme und Serien, zumindest wenn diese im Übermaß konsumiert werden.
        Und genau da geht es eben um die Verfügbarkeit.
        Wie du sagst, man überfrisst sich. Ich denke eben, das ist nicht nur ein Problem, das man allein für sich hat oder an welchem man ganz allein die Schuld trägt. Immerhin funktionieren digitale Plattformen nach den Spielregeln des Kapitalismus. Wie Verlage auch. Wie alles, ist mir klar. Doch im digitalen Bereich geht es um so mehr um Abhängigkeiten. Der Benutzer, der Konsument muss seine Lebenszeit, seine Aufmerksamkeit voll und ganz hingeben und gehalten werden. Das geht natürlich dank der vielen vielen lecker Daten, so weit, so klar. Und perfide.

        Wie gesagt, Medien dienen zur Ablenkung und es gab sie schon immer in irgendeiner Form. Nur ist die heutige Form enorm einnehmend und eben darauf ausgelegt, süchtig zu machen. Das ist das Geschäftsmodell.
        Und mich zumindest widert das an.
        Aber natürlich liegt die Schuld nicht allein bei den Anbietern, ich bin ja nicht ganz unreflektiert 😉

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    1. Eine weise Entscheidung.
      Bei mir belief es sich auch „nur“ auf die Überfülle des Netflix Accounts, doch seit 2 Wochen verfüge ich auch über den Zugang von meinem Vater auf Prime…
      Schaust du generell nicht so viel, oder hast du einfach andere Quellen?

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  4. Das von dir beschrieben Problem kenne ich gut. Mittlerweile lösche ich meinen Netflix oder Prime Accout nach einem Monat wieder, nur um nach einem Monat ohne wieder damit anzufangen. Es nervt, ist jedoch ein Fortschritt im Vergleich zum dauerhaften Beschallen. Bücher lese ich in letzter Zeit viel zu wenige, aber bald ist der Monat mit Prime wieder vorbei und dann schaffe ich hoffentlich mehr. Außer YouTube kommt mir wieder in die Quere.
    Ich ziehe gerade um und bin am überlegen, ob ich mir etwas Zeit lasse, bevor ich mir einen Internetabieter suche. Die nötigen Dinge kann ich mit dem Handy auch ohne Wlan machen.

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    1. Ich habe Youtube auch einige Male auf meinem Handy deaktiviert. Es ist schlimm, wenn man sich selbst Erziehungsmaßnahmen und „Verbote“ auferlegen muss bzw sich selbst versucht, auszutricksen, doch solang es hilft… Seit meinem Beitrag bin ich auf jeden Fall (fürs erste) kuriert. Es ist sehr angenehm, keine Serien zu schauen und nur zwischendurch selten und bewusst einen Film zu sehen. Irgendwann kann man nicht mehr und dann ändert man auch was.
      Hui na viel Durchhaltevermögen beim Umzug^^ Hoffe, du hast starke und schnelle Helfer!

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