Ich mag unsere Waschmaschine

Seid gegrüßt!

Vielleicht ist nun die Auswirkung des Lockdowns nicht mehr von der Hand zu weisen. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals gebannt vor einer Waschmaschine gesessen zu haben, doch so ist es nun geschehen. Ich habe einmal 30 Minuten vor unserem Backofen gesessen und zugeschaut, wie eine Tiefkühlpizza langsam braun wird und der Käse sich aufbläht. Da wohnte ich noch bei meiner Mutter und wir waren beide ganz hibbelig, weil meine Schwester gerade dabei war, ihren Sohn zu gebären. Die Glückliche brachte die Geburt im Übrigen ziemlich genau innerhalb einer Tiefkühlpizza-Backzeit hinter sich. Ich weiß gar nicht, ob man das meinem Neffen jemals gesagt hat, aber es würde ihm mit Sicherheit gefallen.

Dieses Mal, als ich da so vor der Waschmaschine saß, musste ich auf nichts warten, keine Zeit totschlagen und keine unangenehmen Gedanken vertreiben. Ich saß einfach nur an unserem Küchentisch, war gerade mit dem Frühstück fertig und stellte fest, dass da nun wir beide waren. Die Waschmaschine und ich.

Ich mag unsere Waschmaschine. Ich weiß nicht, ob sie die Wäsche besonders gründlich sauber macht, energiesparender ist als der Durchschnitt oder sonst was, aber ich mag sie trotzdem. Sie ist meine erste eigene Waschmaschine und sie ist von Bosch, darum unterhält sie sich gern mit dem Akkuschrauber und dem Schleifgerät. Leider sehen die drei sich nur recht selten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob Bosch eine hervorragende Marke ist, aber sie ist teuer, klingt niedlich und hat einen schönen Schriftzug. Das beste an unserer Waschmaschine ist, dass sie eben gar nicht teuer war, obwohl sie noch quasi neu ist. Danke Ebay Kleinanzeigen.

Aber nein, das Beste an unserer Waschmaschine ist, dass sie wäscht. Ich fütter sie, sie bedankt sich und huiuiui ab geht die Post. Und wie die sich immer freut, wenn ihr Bauch voll ist, die dreht förmlich durch. Sie hat also ihren Spaß und ich am Ende saubere Wäsche. Win-Win sagt man da, oder?

Am meisten fasziniert mich aber ihre Einstellung zur Arbeit. Denn es ist und bleibt Arbeit, die sie da verrichtet. Sie macht sich, wie bereits gesagt, eine echte Freude draus. Ihr vorfreudiges Glucksen, wenn sie das erste Wasser anpumpen darf, versetzt mich jedes Mal fast selbst in einen Rausch. Und sie genießt, aber sowas von. Immer wieder hält sie inne, fühlt nach, ob noch alles da ist, ob alle auch wirklich so viel Spaß haben, wie sie selbst. Ein kleiner Stop, ein kurzes Sinnieren, und weiter geht’s.

Sie beruhigt mich, meine schöne dickbauchige Waschmaschine. Und ich esse gern zusammen mit ihr. Irgendwie erinnert sie mich immer wieder daran, wie schön es ist, einfach kurz aufzuhören, nur, um dann weiter zu machen.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße
von der Luna ❤

Photo by engin akyurt on Unsplash

9 Antworten auf „Ich mag unsere Waschmaschine

  1. Ich glaube, ich habe noch nie jemanden so verzückt über eine Waschmaschine reden hören. Das gefällt mir! Immerhin nimmt diese Maschine uns etwas ab, das sonst ernsthaft anstrengend wäre – wer hat schon Lust, mühsam Wasser zu erhitzen, um sich anschließend die Hände auf dem Waschbrett wund zu scheuern?
    Der eigenen Waschmaschine bringe ich durchaus ähnliche Gefühle entgegen, es ist ein alter Toplader und mein Mann hat sie in die Beziehung mitgebracht, sie wäscht und wäscht und beklagt sich nie. Vielleicht sollte ich ihr morgen, wenn die Kochwäsche ansteht, mal wieder dankbar den Deckel tätscheln ❤
    Macht euch ein schönes Wochenende, du und deine Waschmaschine!

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  2. Wie allerliebst diese kleine Geschichte ist! Und wie allerliebst muss die Schreiberin sein, die ihre Waschmaschine so lieb hat. Ich finde das richtig schön!

    Und es erinnert mich an eine Episode.

    In der Slowakei bei meiner Schwiegermutter gab es einen Frontlader als Waschmaschine, während wir seinerzeit einen Toplader hatten. Anlässlich einer Reise zu ihr, mein Sohn war damals noch klein und hatte ein paar Plüschtiere mit dabei, war seine „Hamsti-Familie“ etwas schmuddelig geworden. So wurde diese nebst etwas Kleinwäsche in jenen Frontlader befördert. Als dann die Waschtour losging, war mein Sohn voller Begeisterung darüber, wie seine „Hamstis“ da immer wieder in allen möglichen Variationen an dem Guckloch vorbei purzelten. – Was soll ich sagen: Seine Begeisterung steckte an, und so hatten wir, auf dem Fußboden kauernd, liegend, sitzend … wohl eine überaus vergnügliche „Fernsehhalbestunde“ im Familienkreise vor der rumpelnden Waschmaschine in der kleinen Küche.

    Ich kann Dich also durchaus verstehen, liebes Lunchen!

    Herzliche und nur ganz liebe Grüße an Dich ❣😘🤗

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    1. Diese Geschichte ist wirklich allerliebst und ich freue mich, dass du diese Erinnerung mit mir geteilt hast. Ich habe die Szene ganz deutlich vor meinem inneren Auge. Es muss eine sehr wohlig warme Erinnerung sein! (Auch, wenn der Fußboden bestimmt kalt war^^)

      Liebe Grüße an dich!
      Ich hoffe, auch du kannst diese Tage durch herrlichen Schnee stapfen und dabei etwas Ausspannen!

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      1. Bei uns ist nahezu kein Schnee, aber es ist sehr kalt und stürmisch. In Deiner Ecke ist es, glaube ich, wirklich richtig weiß … 🐧🏂🌨☃

        Auch an Dich wieder ganz liebe Grüße ❣✨

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  3. Genial, wie Du die verschiedenen Phasen des Waschvorgangs in Literatur verwandelst. Da muss man erst Mal drauf kommen 😅 aber vielleicht ist das Wirklich Corona: dass wir uns Zeit nehmen, solche Texte zu schreiben, und Zeit haben, solche Texte zu lesen.
    Wie auch immer, Danke! 😊

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