Denken oder schreiben?

Ein Text über die Reinheit des Winters und des Geistes und das Wimmeln der Gedanken. Wenn ihr bis zum Ende durchhaltet, seht ihr sogar meinen Schneehasen 😉

Seid gegrüßt!

Na ist das nicht ein Wetterchen?! Ich hoffe, dass der Großteil von euch auch die letzten Tage knirschend durch den Schnee stapfen durfte und den einen oder anderen Schneeengel und Schneemann fabriziert hat. Ich für meinen Teil war diesbezüglich fleißig!

Bei uns auf Arbeit ist zur Zeit nicht so viel los. Wenn der Boden gefroren und eingeschneit ist und die Temperaturen in die starken Minusgrade gehen, dann kann ein Gärtner im Freiland nicht viel machen. Also zogen wir uns so gut es ging in unsere Gewächshäuser zurück und puttelen vor uns hin. Und wenn die Sonne alles in ein zauberhaftes Glitzermeer verwandelte, na dann kam auch schonmal die Anweisung, ein paar Schritte durch unsere Anlage zu gehen und die Schönheit zu genießen.

Das musste man mir natürlich nicht zweimal sagen! Und so schön, wie es war, muss ich euch das doch mal zeigen (und euch vielleicht auch ein bisschen neidisch machen, wie schön mein Arbeitsplatz ist^^).

Leider sind die Bilder nicht von bester Qualität, denn ich hatte zufälligerweise gerade nicht meine Kamera zur Hand 😉

Was das nun mit denken und schreiben zu tun hat?
Vielleicht gar nicht mal so viel. Zumindest nicht vordergründig.

Ich genieße den Schnee und habe das Gefühl, dass dieses himmlische Weiß nicht nur die Landschaft, sondern auch meinen Geist bereinigt hat.
Möge ein Garten noch so unordentlich, verwildert oder abgestorben sein, mögen noch so viele verweiste Gartengeräte, Töpfe und Folienschnipsel umher liegen, eine wattige Winterdecke weiß alle unter sich zu begraben und in Schönheit zu verwandeln. Natürlich ist es unter der Oberfläche noch da und man weiß, dass man sich um all das da drunter noch kümmern muss, doch zunächst kann man verschnaufen und genießen. Nichts ist zu tun. Nur das klare Weiß, das uns durchatmen lässt!

So geht es mir gerade auch in meinem Kopf. Vielleicht ist noch nicht alles bereinigt, was mir in der letzten Zeit Sorge bereitete, doch ich habe soeben die Ruhe, mich aufs Wesentliche zu fokussieren. Mein Verstand zerstreut sich nicht über viele kleine Dinge, wird nicht von hunderten Winzigkeiten abgelenkt, nein, all das scheint verschwunden. Ich blicke auf eine weiße Fläche und kann einfach atmen und denken, in mir ruhen.

Wie schön es ist, wenn eigentlich nichts ist. Wenn man sitzt und die Ruhe genießt und seinen Gedanken ohne jede Hektik zuhören kann.

Nun beginnt aber auch das Denken, das wohl jeder Schreibende kennen wird: „Oh, das ist aber interessant. Den Gedanken sollte ich mir mal aufschreiben.“
Ich bin schon immer ein Mensch der Notizbücher gewesen und hielt meine Gedanken seit jeher für derartig bedeutungsschwanger, dass sie niemals der Menschheit verloren gehen dürfen. Je mehr ich nun in mir ruhe und je mehr ich mich beim Denken höre, desto mehr amüsiert mich mein denken übers Denken. Der Gedanke „Kann man das verwerten? Ist das was für die Erzählung? Oder das Notizbuch XY? Oder sollte ich das auf dem Blog veröffentlichen? Wie könnte ich dazu die Überschrift formulieren?“

Natürlich ist es keine entweder – oder Entscheidung. Man kann nicht entweder denken oder schreiben, im Optimalfall verläuft beides parallel. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass dieser Wunsch, Gedanken auf Papier zu formulieren, um sie festzuhalten, mich daran hindert, diese weiter zu spinnen. Als würde ich die Worte fesseln und somit verpassen, wozu sie noch so alles fähig wären.

Manchmal glaube ich, dass Autor-Sein für mich bedeutet, mit dem Schreiben auf Kriegsfuß zu stehen.
Doch ich könnte nicht behaupten, dass mich das stören würde.

Wie siehts bei euch aus? Habt ihr auch diese Stimme im Ohr, die eure Gedanken kommentiert und sich die ganze Zeit nur immer wieder fragt, was davon aufgeschrieben und veröffentlicht gehört?

Ich in gespannt auf eure Antworten und hoffe, dass ihr den Winter auch so sehr genießen könnt, wie ich 😉

Liebe Grüße
von der Luna ❤

(und Hoppel)

9 Antworten auf „Denken oder schreiben?

  1. Also dein Arbeitsplatz ist auf jeden Fall schöner als meiner – das mit dem Neidischmachen hat geklappt 😉 Und so schöne Fotos *-*

    Was nun deine Gedankengang zu den Gedanken angeht… Da bin ich ganz bei dir. Manchmal denke ich etwas – und noch bevor ich diesen Gedanken zuende gedacht habe, denke ich schon darüber nach, wo und wie ich ihn am Besten verwurste. Das Ergebnis? Ich denke den Gedanken nicht bis zum Ende, kriege nur halbe Notizen aufgeschrieben und das Gefühl oder die Erkenntnis geht völlig verloren. Das ist unbefriedigend, und es ärgert mich sehr, dass dieser Prozess stattfindet. Manchmal lektoriere ich sogar meine Gedankengänge beim Lesen, das ist irrsinnig nervig und total bekloppt.

    Bin ich denn so davon abhängig, mir durch Veröffentlichungen Selbstbestätigung zu holen? Brauche ich wirklich die Anerkennung, die vielleicht winkt, wenn ich einen vermeintlich philosophischen Gedanken aufschreibe? Bin ich tatsächlich so selbstbezogen, dass ich davon ausgehe, jeder wolle meine Gedanken hören/lesen?
    Das erschreckt mich schon irgendwie. Ich hatte mich selbst für weniger oberflächlich gehalten.

    Es hilft mir, einfach mal bewusst innezuhalten. Yoga funktioniert da gut, oder lange (Schnee-)Spaziergänge. Und wenn ich mich bei diesem Vorgang ertappe, erinnere ich mich aktiv daran, dass ich nicht SO vergesslich bin – ich kann ruhig erst zuende denken und dann alles aufschreiben.

    Liebe Grüße
    Anna

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    1. Na da scheinen wir beide ja einen recht ähnlichen Kopf zu haben – auf jeden Fall konnte ich mich deinen Schilderungen sehr nah fühlen ^^

      Das Optimum wäre, wenn man dann vielleicht im Nachhinein die Ruhe findet, seine notierten Gedanken erneut zu lesen und sie weiter zu spinnen. Doch oft ist dann diese gewisse Magie dahin – vielleicht kann so aber auch eine ganz neue entstehen!

      Diese Selbstvorwürfe, sich durch Veröffentlichung nur Bestätigung holen zu wollen, kenne ich zu genüge. Doch ein bisschen muss man sich damit wohl abfinden. Ich glaube, jede Art von Veröffentlichung bzw. öffentlicher Sichtbarkeit ist ein Ruf nach Bestätigung. Und nennt man sich Autor, muss man sich wohl eine gewisse Eitelkeit im Bezug auf die eigenen Gedanken eingestehen…

      Liebe Grüße!

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  2. Es kann gar nicht genug aufgeschrieben werden!

    Was nachher daraus wird, ob es je eine Bedeutung erlagen, Impuls, Inspiration oder doch nur Ablage sein wird, ist erst einmal nebensächlich. Das nichts verloren geht, ist zunächst mal von Belang.

    Nun bin ich weit weniger Autor als Du Autorin. Ich habe immer zuvorderst erst einmal für mich selbst geschrieben und grundsätzlich ist das so geblieben. Aber wenn ich bedenke, wie oft ich über früher Aufgeschriebenes staune, ins Sinnen gerate, es letztlich doch aufgreifen, es weiterdenken, ausbauen oder einfach nur so zu Wort kommen lassen möchte, dann glaube ich um so mehr, dass es gut und richtig ist alles aufzuschreiben – in und aus der Unmittelbarkeit heraus.

    Für mich hat das ganz viel mit „am Leben sein“ zu tun.

    Liebste Grüße an Dich, Lunchen! 💗🙂

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    1. Lieber Sternenflüsterer,

      das ist ja ein brennendes Plädoyer für das Festhalten! Und ich kann es auch sehr gut nachvollziehen. Gerade wenn es dazu führt, dass man noch nach Jahren seinen alten Gedankengängen nachhängen kann, dann hat man doch was gewonnen!

      Und jemand, für den schreiben „ganz viel mit am Leben sein“ zu tun hat, ist meines Erachtens niemals „weit weniger Autor“! 😉

      Liebe Grüße an dich, mein Lieber!

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    1. Nun, weil es mir sympathisch ist, wenn Du so schön mit Dir ringst, den Schnee nicht einfach als schöne, weiße Bedeckung zu genießen, sondern immer auch das Darunter als Ordnungsbedürftig im Kopf zu haben. Wie immer das auch ausgeht, Du unterscheidest Dich angenehm von den stromlinienförmigen Anderen, die in an den Olymp klopfen … Ehrlich, durch und durch ehrlich, vor allem zu Dir selbst. Aber finde das rechte Maß und sei nicht so streng mit Dir selbst. 🙂

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      1. Na das freut mich ja, dass dich mein Gelurckse immer wieder unterhalten kann^^
        Und das mit der Strenge… mal sehen, ob das klappt 😉

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  3. Foto 1 mit den Nadelbäumen und unberührtem Weg ist wunderschön. Auf einem anderen Foto meine ich den Pavillon auf dem Klausberg zu entdecken. 😉 Was für ein wunderschöner Arbeitsplatz!

    Zu den Notizen: du magst dich ärgern, wenn du die Gedanken auf einem Blatt festhältst und sie damit fesselst. Viel schlimmer ist es jedoch, die Gedanken nicht festzuhalten und schon einen Augenblick später kann man sich nicht mehr daran erinnern, wie genau man jetzt etwas formuliert hatte. Dabei war die Formulierung so groß. Dann lieber sofort aufschreiben als vergessen. 🙂

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    1. Ein Potsdam-Kenner! 😉

      Ja, die schönen großen Formulierungen, die man so oft in Gedanken verfasst, sind schon etwas erhebendes – und es ist ärgerlich, wenn etwas entfällt. Doch es birgt auch den Vorteil, dass man im Nachhinein nicht herausfinden kann oder muss, dass die Formulierung bzw. der Gedanke doch nicht so groß war, wie es im Eifer des Augenblicks schien 😉

      Gefällt 1 Person

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