Rezension: Haruki Murakami – Gefährliche Geliebte

Seid gegrüßt!

Ich glaube kaum, dass man noch besonders viel zu Haruki Murakami sagen muss, darum möchte ich mich hier auch recht kurz fassen.
Offen gestanden hatte ich mich noch nicht wirklich mit ihm auseinander gesetzt und auch dieses Buch gelangte eher zufällig in meinen Besitz. Im Nachgang glaube ich, dass ich mich vielleicht doch ein bisschen mehr über Murakami hätte informieren sollen, denn dann hätte ich das Buch vielleicht besser genießen können.

Inhalt

Hajime ist ein Mann in den End-Dreißigern, der sehr erfolgreich zwei Jazz-Bars in Tokio führt und eigentlich eine glückliche Familie und ein sehr gutes Einkommen hat. Er könnte zufrieden sein, doch natürlich ist er es nicht, denn wo wäre denn sonst auch der Reiz! Er erzählt uns mit reichlich Melancholie einen Schwank aus seinem Leben und wir erfahren, dass er ein etwas eigenbrödlerischer Herzensbrecher war, der niemanden wirklich an sich ran gelassen hat und all die Zeit nur an seine Jugendfreundin Schimamoto denkt. Diese taucht dann plötzlich in seiner Jazz-Bar auf und verdreht ihm ganz schön den Kopf. Er steht nun zwischen allen Stühlen und läuft Gefahr, alles für diese geheimnisvolle Frau seiner Vergangenheit hinzuschmeißen. Ob er das tut, verrate ich aber natürlich nicht 😉

Mein Urteil

Das Buch hat mir sehr gut gefallen.
Fertig.
Nein, natürlich nicht^^
Es ist sehr atmosphärisch geschrieben und Murakami versteht es, Verlangen in Worte zu fassen. Sehr prickelnd! Es ist eine ganz eigenwillige Stimmung, die er geschaffen hat. Dieser Protagonist, der so wirkt, als sei er immer auf der Suche gewesen, ohne zu wissen, wonach. Die Skizze eines Lebens, dem immer irgendwas gefehlt hat. Man kann Hajime sehr gut greifen und fühlt sich ihm sehr nah, obwohl (oder gerade weil?) er teilweise ein ziemlich mieser Mensch ist.
Ich war zwischendurch etwas unschlüssig, wie ich das Buch bezogen auf die Darstellung der Geschlechterrollen zu bewerten habe. Für mich muss nicht jeder Roman ein feministisches Manifest sein, doch zu wenig hinterfragte Rollenbilder öden mich an. Die Frau Hajimes ist enorm charakterlos. Genau genommen besteht ihr Charakter darin, dass sie die ideale Frau und Mutter ist, die sich selbst aufgegeben hat und einzig und allein fragt, wie sie ihren Mann am besten unterstützen kann. Ich gebe zu, das hat mich sehr wütend gemacht und leider wurde erst sehr spät deutlich, dass das gewollt ist. Sie ist nicht charakterlos, weil Frauencharaktere Nebensache sind, sondern vielmehr weil Hajime ein zu egozentrischer Mensch ist, als dass er seine Frau charakterisieren könnte. Das wiederum ist eine derart strukturelle und gute Art, seinen Protagonisten zu charakterisieren, dass ich nur den Hut ziehen kann.
Nichts desto trotz hatte ich manches Mal das Gefühl, dass diese Frau zu unkompliziert ist und dass es sich Murakami auch etwas leicht machen wollte. Welcher Mensch bleibt schon komplett ruhig, wenn er vermutet, der Partner könnte jemand anderen haben? Das fand ich definitiv schade.
Aber das ist nur ein kleines Minus, ansonsten habe ich das Buch sehr gern gelesen, beinahe verschlungen und vor allem denke ich auch gern daran zurück. Es gibt Bücher, die eine so einprägsame Stimmung erzeugen, dass ich mich immer wieder gern gezielt in diese zurück versetze. Das ist für mich ein Qualitätsmerkmal.

Fazit: Kann man lesen! 😉

5 Antworten auf „Rezension: Haruki Murakami – Gefährliche Geliebte

  1. Ach ja, Haruki Murakami… Ich weiß einfach nicht, was ich von dem Kerl halten soll.
    Einerseits ist er so ein großartiger Autor. Die Stimmungen, die er erschafft, sind ohnegleichen. „1Q84“ ist ein Meisterwerk, das seinesgleichen sucht. Andererseits ist alles, was er schreibt, irgendwie … gleichförmig.
    „Gefährliche Geliebte“ habe ich noch nicht gelesen, aber von dem, was du beschreibst, ist es die übliche Geschichte der Person, die sich selbst verloren hat und irgendwie wiederfinden muss. Vielleicht urteile ich zu vorschnell – ich habe bei weitem nicht ALLES gelesen, was Murakami geschrieben hat, und vielleicht wäre es mal wieder an der Zeit, ein Buch von ihm in die Hand zu nehmen. Danke für diesen Anreiz!

    Gefällt mir

    1. Es gibt einige Autoren, die nicht über ein bestimmtes Thema hinaus kommen. Dann gibt es das gleiche Kernproblem immer wieder neu verpackt… Das finde ich dann auch etwas schade, selbst, wenn die Bücher für sich gesehen gut sind. Trotzdem kann sich die Lektüre lohnen… Es ist ein seltsamer Widerspruch ^^

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