Textschnipsel: Heimatworte

Sie begriff es erst, als sie auszog. Als sie ausgezogen und lange fort gewesen war. Als sie ausgezogen, fortgezogen und dann schließlich zu Besuch gekommen war. Da erst Begriff sie, dass es auch Worte sein konnten, in denen man Heimat findet. Dass „Zuhause“ der Ort ist, wo altvertraute Stimmen „Nicki“ statt „T-Shirt“ sagen. Wo es nicht Badetuch oder Handtuch, sondern „Duschtuch“ mit kurzem „U“ heißt. Für zwischendurch kein Bonbon, sondern „’n Bongsl“ und „Mach’s Guttl“ zum Abschied.
Sie war erschrocken, wie sie das hatte vergessen können und es besorgte sie, dass sie diese vielen Worte vielleicht wieder vergessen würde. Und würden diese altvertrauten Stimmen erst vergangen sein, die sie immer wieder daran erinnerten, lief sie Gefahr, ein Stück Heimat zu verlieren, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Eine Antwort auf „Textschnipsel: Heimatworte

  1. Dieser kleine Text ist eine Reflexion. Wem es gelingt, sich durch Reflexion etwas wieder bewusst zu machen, sich an etwas wieder zu erinnern, der/die wird nicht wieder vergessen. Denn eine solche Reflexion ist ein ganz besonderes Erleben, und der/die so zu reflektieren vermag, ist auf besondere Weise ein begnadeter und reicher Mensch.

    Liebe, sternflüsternde Grüße an Dich, liebes Lunchen! 🌷💙

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