Die Macht des Bieres

Seid gegrüßt!

Der Alkoholkonsum der Deutschen ist innerhalb der letzten 50 Jahre deutlich zurück gegangen. Von 14,4 Liter Reinalkohol im Jahr 1970 zu 18,7 Liter im Jahr 2018*. Außerdem ist der prozentuale jener, die täglich Alkohol trinken gesunken und gerade in meiner Generation ist der tägliche Konsum nicht mehr ganz so verbreitet.
Verliert Alkohol seine Bedeutung?

Offen gesagt hat mich meine Recherche zu dem Thema eher schockiert, denn es bedeutet nicht, dass unser derzeitiger Konsum kultiviert ist, sondern einfach nur, dass es mal um einiges schlimmer war. Ich kann mir tatsächlich nur sehr schwer vorstellen, dass NOCH mehr getrunken wurde, ich meine, es ist allgegenwärtig.
Gesellschaftliche Ereignisse scheinen für die Meisten ohne dieses zellenabtötende Nervengift schier undenkbar zu sein, da es doch so schön gesprächig macht. Vielleicht erinnert ihr euch, dass unter den vielen Maßnahmen-Versuchen des letzten Jahres auch ortsweise Alkohol in der Öffentlichkeit verboten wurde. Ich fand diese Maßnahme enorm aussagekräftig über unsere Kultur – wenngleich sie, wie so viele, recht wirkungslos war. Doch ich möchte es nochmal auf den Punkt bringen: Wir verbinden Geselligkeit derart mit Alkoholkonsum, dass es für die Politiker nur folgerichtig war, diesen an bestimmten Orten zu verbieten, wenn man Ansammlungen vermeiden wollte. Denn was hätte man ohne Alkohol einander auch zu sagen. Gut, glücklicherweise steht es nicht ganz so schlimm um unsere sozialen Kompetenzen – allerdings wurde sich darum eben leider auch weiter nicht ganz so Corona-konform angesammelt, nur eben ohne Bier.

Jaja, das Bier. Flüssig Brot, Hopfensmoothie, Gerstensaft. Manchmal glaube ich, dass Wissenschaftler irgendwann das Bier-Gen in unserer DNA finden werden und sich endlich aufklärt, warum wir so verrückt danach zu sein scheinen. Es ist unfassbar, was diesem Getränk für Eigenschaften zugeschrieben werden. Natürlich die Beruhigung, denn der Hopfen wird ja auch in der Homöopathie verwendet. Und bedenke man nur all die guten Mineralien und Spurenelemente und Vitamine! Mit Sicherheit gibt es auch bald die ersten Biere mit zugesetztem Protein, damit auch der Workouter weiterhin sein Bierchen mit den Freunden trinken kann. Ein Bier bringt Ruhe und Kraft, es stärkt Körper und Geist und kann sogar Erkältungen abwehren! Es muss ein magisches Getränk sein, vielleicht kam es gar von den Göttern. Vom Olymp mit Hermes, dem Götterboten, per Einschreiben: Das erste Bierrezept. Ich bekomme Gänsehaut allein von dem Gedanken. Ein großer Schritt für die Menschheit.

Ihr merkt, ich bin nicht ganz so überzeugt.
Ich trinke keinen Alkohol. Habe ich nie, werde ich nie.
Ich wüsste nicht, wofür. Ich bin keine Spaßbremse und habe ausgelassene Abende mit Freunden, mit dem einzigen Unterschied, dass die am nächsten Tag vollkommen unbrauchbar sind und ich die nächste Unternehmung starten kann. Ich sehe den Vorteil da ganz klar auf meiner Seite.

Warum ich mich nun aber über das Bier so auslasse?
Ich trinke gern alkoholfreies Radler.
In der letzten Zeit war es bei mir stressig und nicht gerade leicht und da habe ich es mir zu einem kleinem Ritual gemacht, jeden Abend ein solches Radler zu trinken. Sich entspannen, versuchen, die Sorgen zu vergessen. Abschalten.
Alkoholfrei meint in der Regel 0,5%. Eines Abends rechnete ich und stellte fest, dass ich bei 330 ml Radler 1,56 ml Alkohol zu mir nehme. Gut, die Menge ist nun vielleicht wirklich lachhaft, doch es hat mich stutzig werden lassen. Laut Bundesregierung gilt ein Alkoholkunsum selbst dann noch als risikoarm, wenn Frau 1 Glas (12 gr Alkohol) und Mann 2 Gläser (24 gr) Alkohol am Tag trinken. Das ist meiner Meinung nach schon recht viel, doch wie gesagt, ich bin da auch recht extrem 😉 Zumindest konnte ich auf mein Ritual auch nicht so ganz verzichten und bin auf ein Radler mit 0.0% umgestiegen. Wäre der Alkoholgehalt nun bei 0.09% würde das bei 500 ml 0,45 ml Alkohol ergeben.

Mir ist klar, dass diese Menge nicht ausreicht, um abhängig zu werden. Doch ich habe dadurch erst begriffen, wie mächtig Bier ist.
Es wird so viel mit alkoholischen Getränken verbunden, sie stehen quasi für ein Lebensgefühl.
Und so habe nun auch ich ein Lebensgefühl adaptiert. Wenn ich abends hier sitze und mein Radler trinke, trinke ich es nicht, wie ich eine normale Limo trinken würde. Ich mime jemanden, der nach einem harten Tag zischend sein Bier öffnet und in kleiner Dosis seine Probleme ertränken möchte. Und ich fühle mich besser dadurch.
Das lässt mich an eine Studie denken, von der ich vor Jahren gehört habe: Eine Gruppe von Leuten feierte zusammen, doch einige bekamen statt normalem Bier alkoholfreies. Sie waren am Ende des Abends genauso betrunken, wie ihre Freunde. Klar, Placebo. Doch es zeigt auch, welche Verhaltensweisen wir unmissverständlich mit bestimmten Getränken in Verbindung bringen.

Nun habt ihr es bis hier her geschafft, doch so ganz kann ich euch auch nicht erklären, was ich euch mit diesem Text sagen wollte. Ich weiß nur, dass es mich sehr zum Nachdenken gebracht hat und natürlich hoffe ich, das auch bei euch angeregt zu haben. Es ist mit Sicherheit nie verkehrt, zu hinterfragen, warum man trinkt. Und ich glaube, ein Trinken aus Mechanismus sollte immer überdacht werden. Denn sehr wahrscheinlich gibt es kein Bier-Gen, darum ist es auch durchaus akzeptabel, selbst in Deutschland weniger zu trinken.

Ihr Lieben, schreibt mir gern eure Gedanken zu diesem Thema! Gerade hier bitte ich auch ausdrücklich um die Wahrnehmung von „Trinkern“ 😉
Trinkt ihr regelmäßig und was bedeutet dieses Wort überhaupt für euch? Und überhaupt das Wichtigste: WIE trinkt ihr? Ertappt ihr euch auch dabei, dass ihr gesellschaftliche Bilder auf euer Verhalten übertragt? Was bei mir das „Feierabendbier“ ist, ist bei euch vielleicht das Glas Rotwein beim Lesen oder Gin bei Liebeskummer. Ich hoffe auf interessante Beiträge!

Passenderweise ist mein Radlerchen nun auch leer, darum bleibt mir nun nichts weiter, als euch eine gute Nacht zu wünschen! 😉

Liebe Grüße
von der Luna ❤

Photo by Eeshan Garg on Unsplash

* https://www.dhs.de/suechte/alkohol/zahlen-daten-fakten

8 Antworten auf „Die Macht des Bieres

  1. Hallo Luna.

    Du hast recht: Es ist allgemein bekannt, dass der Alkohol die Volksdroge Nr. 1 ist und in Deutschland jährlich 74.000 Menschen an den Folgen ihrer Sucht sterben und unzählige Existenzen ruiniert werden. Alkohol verursacht in der Überdosierung geistige und körperliche Schäden und schwere Krankheiten, verkürzt Leben. Trotzdem trinke ich, seit ich erwachsen bin, Wein, Bier und ab und an auch mal eine Spirituose. Das hat bei mir keine sozialen Gründe. Ich muss mich nicht enthemmen oder auf Touren kommen. Der Grund ist ein viel einfacherer: Es schmeckt mir.

    Bin ich Alkoholiker, wenn ich am Abend ein oder zwei Gläser Wein trinke? Laut WHO bin ich das. Doch ich kann problemlos auf Alkohol verzichten und trinke oft wochenlang keinen. Ich habe mich noch nie betrunken. Wenn es trinkbaren alkoholfreien Wein gäbe, würde ich sofort auf ihn umsteigen. Cola, Limonaden, Powerdrinks etc. schmecken mir einfach nicht, Säfte sind zu kalorienreich und ich will meinen Abend nicht mit solchen Getränken beenden. Wenn ich Bier trinke, dann in den meisten Fällen alkoholfreies, denn das wurde in den letzten Jahren immer besser. Das schmackhafteste Radler, das ich kenne, ist das Nullprozentige von Hacker-Pschorr (leider habe ich keinen Werbevertrag mit der Brauerei). Dass auch in „alkoholfreiem“ Bier ein wenig Alkohol ist, lässt sich erstens nicht vermeiden, da es ein biochemischer Effekt bei der Produktion ist. Es wird oft übersehen, dass auch in Orangensaft oder Apfelsaft Alkohol – oft mehr als im alkoholfreien Bier. Die tatsächlichen Mengen sind bei beiden Getränken vernachlässigbar und werden vom Körper problemlos abgebaut.

    Alkoholmissbrauch (und der vieler anderer Drogen) ist gerade bei Künstlern und im Speziellen bei Musikern und Autoren weit verbreitet. Es ist jedoch ein kaum ausrottbarer Irrglaube, dass man unter Drogeneinfluss bessere Literatur schreibt – das Gegenteil ist der Fall. Man kann Genie nicht herbeideliriern. Ich habe ein paar schreibende Kollegen persönlich gekannt, die diesen Irrweg trotzdem beschritten und inzwischen alle tot sind.

    Ich hoffe, du gönnst mir trotz deiner Ablehnung des Alkohols mein Glas Wein, mein Bier und meinen Whisky. Grüße, Nikolaus

    Gefällt 1 Person

    1. Eine späte Antwort, verzeih mir! Ich gönne dir jedes Glas, das du trinken willst 😉 Und Konsum aus Genussgründen kann ich durchaus nachvollziehen. Ich finde es nur schade, wie selbstverständlich der Konsum ist, wie wenig hinterfragt. Das Gleiche gilt für Coffein. Wobei das Bewusstsein immer stärker wird.
      Was Kunst und Rausch angeht, musste ich in meinem Freundeskreis auch feststellen, das beides oft als miteinander verwoben wahrgenommen wird. Diese Ansicht ist meiner Meinung nach oftmals weder zuträglich für den Künstler, noch die Kunst…

      Liebe Grüße!

      Gefällt mir

  2. Es ist über sieben Jahre her, da habe ich in meinem Blogtagebuch auch einmal eine sehr ausführliche Eintragung zum Thema Alkohol gemacht. Es hat sich daran eine ziemlich interessante und in Teilen auch kontroverse Diskussion entsponnen. – Beides kannst Du unter folgendem Link nachlesen:

    Alkohol

    Ich trinke nach wie vor nur sehr wenig Alkohol, wenn dann wirklich in Maßen und oft viele Tage auch überhaupt nicht. Ich war noch nie in meinem Leben betrunken, und das wird auch so bleiben.

    Deine Position zum Alkohol und Dein Hinterfragen seines Genusses gefallen mir.

    Ganz liebe Grüße an Dich, liebes Lunchen❣💙

    Gefällt 1 Person

  3. Du sprichst mir aus Herz und Seele! Man kann ohne Alkohol sein. Mein Argument glich immer Deinem bei denen, die es nicht verstanden, dass ich als „Spielverderber“ nichts trank: „Alkohol tötet Gehirnzellen ab!“
    Meine Erfahrungen mit dem Alkohol waren mir eine Lehre – gründlichst! Allein schon dieser Verharmlosung, das Hopfen-Alkohol-Getränk „Bierchen“ zu nennen!
    In der Mensa habe ich sogar den Rumpudding stehen gelassen. Und die Märchen, wenn ich zum Essen eingeladen war, dass sich der Wein bei der Zubereitung verkocht hätte, habe ich nie geglaubt. Letztens in den doch mal wärmeren Tagen standen sie im Supermarkt wieder Schlange an den Pfandflaschenrückgabeautomaten. Die Sucht will halt bezahlt werden – wenn man Durst hat, kann man auch den heimischen Wasserhahn aufdrehen …

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s