4. Frage: Wie umgehst du Klischees?

Seid gegrüßt!

Dieses Mal ganz ohne Umschweife gleich zur Sache! Das ist was Neues^^

Es ist ja leider so, dass unser menschliches Gehirn recht schnell überlastet ist. Das ist verständlich, denn die Umwelt ist ziemlich viel und unser Hirn soll alles davon aufnehmen, einordnen und eine entsprechende Handlung in Auftrag geben. Darum nimmt es eine kleine Abkürzung und hat sich enorme Wandschränke mit vielen unterschiedlich großen Schubladen aufgebaut, in die dann alles mögliche gesteckt wird, was an irgendwas erinnert, was uns schon bekannt vorkommt. Sowas ist bei vielen Dingen sehr praktisch. Sehe ich im Augenwinkel einen dicken braunen Stab mit irgendeinem grünen Wirrwarr obendrauf, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um einen Baum handelt. Leider haben wir aber eben nicht nur Schubladen für Gegenstände, sondern auch für Menschen. Und das ist dann, wie natürlich jeder weiß, nicht so gut.

Ich versuche mich so gut es geht von Vorteilen zu befreien, was schwer ist, denn oftmals sind wir uns gar nicht dessen bewusst, wenn wir mal wieder jemanden in eine solche Schublade gesteckt haben. Das ist natürlich unglaublich schade und zeigt auch in den Ausformungen wie Alltagssexismus und -rassismus, dass das viele Menschen unglaublich vor den Kopf stößt und schlimmeres.

Dadurch, dass ich schreibe, sehe ich mich aber vor ein riesiges Problem gestellt: Meine mich beherrschenden Vorurteile und Klischeevorstellungen von Menschen und Beziehungen beeinflussen nicht nur, wie ich meine Umwelt wahrnehme (indem ich sie in Schubladen stecke), sondern auch, wie ich neue Welten schaffe (indem ich mich aus eben jenen Schubladen bediene).

Das bedeutet, dass wir Autoren eine unglaubliche Verantwortung haben.
Unsere Klischees bestätigen Klischees der Leser und wir zeichnen weiter ein Bild von dem, was „normal“ ist. So gesehen haben wir eine gesellschaftliche Pflicht, unsere Denkgewohnheiten zu durchbrechen und unsere Geschichten auf Schubladen zu überprüfen.

Doch es gibt auch noch einen zweiten Grund für diese Prüfung: Je weniger Klischee in den Figuren und Beziehungen besteht, desto origineller und tiefgründiger ist die Geschichte.

Ich selbst finde es aber enorm schwierig, meine Schubladen aufzustöbern. Darum:

Wie deckst du Klischees und Vorurteile in deinen Geschichten auf?

Ich habe dafür leider noch keine wirkliche Routine aufgebaut. Ich versuche nur, immer wieder zu durchdenken, was die Figuren ausmacht, wie sie zueinander stehen und ob das etwas transportieren könnte, was ich nicht transportieren will. Dafür versuche ich auch immer wieder gesellschaftlichen Diskussionen zu folgen, bei denen das allgemeingültige „normal“ hinterfragt wird.
Teilweise helfen mir dabei aber auch meine Charakterbögen, die ich euch auch hier als Inspiration zur Verfügung gestellt habe. Wenn ich bedenken habe, habe ich einige Freunde, mit denen ich darüber rede und mache lange Spaziergänge.
Wer also den Eindruck hat, dass ich die Frage vor Allem stelle, um mir einen Trick von euch abzugucken, der hat absolut recht 😉

Also, dann lasst gerne was von euch hören!

Liebe Grüße,
eure Luna ❤

9 Antworten auf „4. Frage: Wie umgehst du Klischees?

  1. Hallo Luna,
    das beschäftigt mich auch sehr. Manche Klischees liest man auch ganz gerne zum x. Mal in einem Buch (ich denke an die verworrenen Liebesgeschichten mit dem Bad Boy, der dann doch ganz lieb ist, wenn die Hauptperson erstmal hinter die Machofassade blickt. Macht sich prima als Story, funktioniert immer wieder. Aber wollen wir das im echten Leben?! Wollen wir, dass Jungs denken, sie müssen so sein?! Ich denke, Charakterbögen könnten durchaus helfen. Und vielleicht, dass man eine Figur jemanden beschreibt, oder einmal aufschreibt, wie die Person so ist und wie sie sich benimmt. Gleichzeitig musst du auch erstmal drauflosschreiben, sonst bleibst du im Schreibfluss stecken. Deswegen überarbeite ich jetzt schon ein Jahr lang, es gibt immer wieder Verbesserungsbedarf 😉
    LG, Tala

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    1. Hallo Tala,
      Schön, dich auch hier zu treffen^^
      Ja, Charakterbögen helfen ganz gut und vor allem drüber sprechen. Eine Person, die aktiv Fragen stellt ist da auch ganz super. Aber du hast recht, man darf auch nicht von Anfang an zu verkopft ran gehen, sonst bleibt man ganz stehen…
      Liebe Grüße!

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      1. Für mein nächstes Projekt hab ich mir vorgenommen, zuerst die Figuren zu entwickeln und sozusagen den „verkopften“ Teil voranzustellen. Danach will ich erst richtig mit dem Schreiben beginnen. Aber das ist noch Zukunftsmusik 😉

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      2. Klingt interessant! Für mich käme das nicht in Frage, leider kann ich nicht so rein planen. Es muss sich alles gesamt entwickeln. Oft kenne ich nichtmal das Ende, wenn ich anfange🙈😅

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      3. Ich gebe zu, bei meinem aktuellen Projekt hat sich das Ende dann auch noch völlig verändert, zum Besseren. Ganz starr möchte ich auch nicht bleiben und ich darf auch nicht so viel vorplanen, dass ich keine Lust zum Schreiben mehr habe 😉
        Wie geht’s denn mit deinem Roman oder bist du zur Zeit an anderen Projekten dran?

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      4. Ich schreibe gerade an einer Erzählung, die doch immer weiter ausartet^^ Bin noch bei der ersten Überarbeitung, die sich leider sehr in die Länge gezogen hat, da es persönlich gerade etwas turbulent war. Aber nun fängt es wieder an, zu laufen 🙂
        Der Austausch mit dir St gerade definitiv auch sehr anregend. Wenn heute nicht so viel zu tun wäre, würde ich am liebsten direkt schreiben, aber das muss wohl noch warten^^

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      5. Mir geht das auch so – ob viele so arbeiten müssen in den Alltagslücken zwischen Haushalt, Family und Arbeit? Ich frag mich manchmal, was das für einen Einfluss auf mein Schreiben hat, dass ich meistens nur abends dazukomme, wenn man eigentlich auf dem Sofa versacken könnte 🙂
        Aber ja, ich freu mich auch über den Austausch, denn wir machen uns ja schon ganz ähnliche Gedanken, damit muss man ja nicht immer nur alleine sitzen.
        Viele liebe Grüße!

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      6. Oh ja, das frage ich mich auch! Es muss definitiv einen Einfluss haben. Jedes Mal, wenn ich mich entscheide, nicht an meiner Geschichte zu arbeiten oder eben doch daran zu schreiben bin ich in einer anderen Verfassung und somit entgeht mir manches mal vielleicht ein genialer Gedanke oder aber meine ausgelaugte Verfassung beeinflusst auf andere Weise das Geschehen. Es ist schwierig, doch kaum zu ändern.

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