Textschnipselchen

„Lass uns ruhig und friedlich hier zusammen liegen“, sagte er, „Nein, nicht ruhig, nur friedlich.“ Ich nahm den Kopf von seiner Schulter.„Warum nicht ruhig?“ „Das klingt so, als wären wir gestorben.“ „Hmm.“Ich legte meinen wieder auf seine Schulter, atme den leicht salzigen Geruch, den die Sonne auf seiner Haut hinterlassen hat.„Ich finde, wir können trotzdem ruhig und friedlich hier liegen. Es wäre doch schade, wenn … Textschnipselchen weiterlesen

Textschnipsel: Heimatworte

Sie begriff es erst, als sie auszog. Als sie ausgezogen und lange fort gewesen war. Als sie ausgezogen, fortgezogen und dann schließlich zu Besuch gekommen war. Da erst Begriff sie, dass es auch Worte sein konnten, in denen man Heimat findet. Dass „Zuhause“ der Ort ist, wo altvertraute Stimmen „Nicki“ statt „T-Shirt“ sagen. Wo es nicht Badetuch oder Handtuch, sondern „Duschtuch“ mit kurzem „U“ heißt. … Textschnipsel: Heimatworte weiterlesen

Kürzestgeschichte: Ein Ende

Ich sollte weinen. Etwas in mir sagt, dass es mehr als angemessen sei. Sogar verpflichtend. Mein Zögern rührt wohl daher, dass ich es bereits ahnte. Damit meine ich nicht, dass ich ahnte, was mit dir los ist oder dass es für dich bald so weit sein würde. Ich bin nur einfach nicht überrascht. Ich rufe mir bereits jetzt alle Erinnerungen ins Gedächtnis, die wir miteinander … Kürzestgeschichte: Ein Ende weiterlesen

Textschnipsel: Falsch adressiert

Er könnte sie schlagen. Sie schütteln und zu Boden werfen. Natürlich könnte er das niemals, nie könnte er sie verletzen, ihr etwas antun. Niemals könnte er sich wünschen, dass sie leidet und doch brodelt in ihm ein Teufel, der alles anzünden will. Ein Teufel, der sie auch schon verletzt hat mit seiner scharfen gespaltenen Zunge, der ihr verbale Peitschenhiebe versetzt hat.Und sie? Sie könnte ihn … Textschnipsel: Falsch adressiert weiterlesen

Textschnipsel: In der Stille der Ton #2

Also kann ich es doch nicht ignorieren, denke ich und vergrabe meine Finger in den Haaren. Ich kratze auf meiner Kopfhaut auf und ab, so, dass ich nur noch das Schaben höre und das Brennen von den Fingernägeln spüre. Doch natürlich höre ich nicht nur das Schaben. Als ich aufhöre, ist schließlich nur noch das Brennen da, das Brennen und der Ton.Der Ton ist laut, … Textschnipsel: In der Stille der Ton #2 weiterlesen

Textschnipsel: In der Stille der Ton

Vielleicht war es schon immer Teil von mir. War in mir verschüttet, lebte im Schatten und ließ mich mich in Sicherheit wähnen. Vielleicht versteckte es sich sogar hinterhältig, hielt sich mucksmäuschenstill, um zum rechten Augenblick zutage zu treten. Das könnte dann auch der Grund dafür sein, dass ich immer in dieser Angst lebte. Als ich Van Gogh’s bandagierten Schädel gesehen hatte, überfiel mich die Angst. … Textschnipsel: In der Stille der Ton weiterlesen

Gedicht: Konserviert

Nicht wundern, noch ist kein Herbst. Doch das Wetter in Potsdam war zuletzt recht herbstlich, darum habe ich mich hier zu diesem kleinen kitschigen Jahreszeiten-Gedicht hinreißen lassen. So lang ist´s ja auch nicht mehr hin 😉   Goldne Strähnen zeugen Zeit, Zeugen einen Sommers weit. Zeugen, gezeugt vom gleißend Licht, Das sich auf nassem Haare bricht, Welches war durch See geschwommen. So wurd das goldig … Gedicht: Konserviert weiterlesen

Textschnipsel: Ding-Dong

Das Öffnen der Haustür befördert ihm einen Schwall mit hoher Luftfeuchte gesättigter Luft entgegen. Warm ist sie und von süßlichen Düften durchzogen. Die Frau, die folgt, ganz losgelöst. Ihre Haut augenscheinlich noch weich von heißem Wasser und geschmeidig vom Auftragen diverser Cremes. Haare, die sich nass und kraus in alle Richtungen recken, wie erwachende Schlangen, vom Handtuch zu Leben gerubbelt. Ihre Wangen sind gerötet, doch … Textschnipsel: Ding-Dong weiterlesen

Textschnipsel: Zeitenwechsel

Heute habe ich zum ersten Mal den Herbst gerochen. Zu gern hielte ich diesen Moment fest. Erinnerte mich dessen, behielte es im Gedächtnis. Doch dieser Augenblick, der mich so sehr im Banne hielt, der in mir eine ganze Armee von Gefühlen entfesselte, mich wehmütig stimmte, erfreute, beglückte, melancholisch werden ließ und mit schwerem Gemüte und leichtem Herzen auf die sich unter dem starken Winde biegenden … Textschnipsel: Zeitenwechsel weiterlesen

Textschnipsel: Auf dem Weg nach Hause

Ich sitze in einem Bus aus hellem Grün. Seine Räder tragen mich rollend über porigen Asphalt, Unebenheiten die mich vibrierend erschüttern, ja gleichmäßig schläfrig erschüttern, uns alle dämmrig werden lassen. Und da sind die leisen Geräusche eines Motors, den ich nicht verstehe und eines Windes, den ich nicht fühle. In einer länglichen Tube rase ich durch eine weiche Landschaft, ja so weich aussehende Landschaft, als … Textschnipsel: Auf dem Weg nach Hause weiterlesen

Gedicht: Noch kein Grün

Einmal noch werfe ich den Blick auf euch, Wie ihr nackt nun steht. Da ist nichts, was euch schützen mag, Als sei nie anders es gewesen. So bestimmend seid ihr nun, So klar, so kalt und definiert, Als hätte nie zuvor ich euch gesehen. Erst jetzt erkenne ich euch, Ganz ohne Laub, das euch ummantelt, Ohne Grün, das euch bedeckt. „Traurig“ mögen manche euch empfinden, … Gedicht: Noch kein Grün weiterlesen

Kürzestgeschichte: Kein Rucksack

Sie schauen alle angestrengt zu ihren Füßen. Oder auf ihr Handy, dass sie schnell aus der Tasche gezogen haben. Es fällt ihnen sehr schwer, denn sie sind alle nervös, zucken bei jedem Schrei zusammen. Dennoch weiter Füße. Oder Handy. Oder Fenster, Sitzkissen, Armbanduhr, was auch immer. Hauptsache nicht den Kopf drehen und zu ihm starren. Es tut ein bisschen in den Ohren weh, ja, in … Kürzestgeschichte: Kein Rucksack weiterlesen

Kürzestgeschichte: Filmreif

Wäre dies der Anfang eines Filmes, so blickten wir wohl von oben auf das Geschehen. Vogelperspektive oder so. Man sähe eine Person schmächtiger Statur, auf einem ranzigen Ledersessel sitzend, zentral im Raum. Keine zwei Meter entfernt: Ein riesiger Fernsehbildschirm, der flackernd das Zimmer mit einem mal kalten, mal warmen Licht übergießt. Thronend hängt er an der Wand, größer als der Wohnzimmertisch, auf dem eine von … Kürzestgeschichte: Filmreif weiterlesen

Gedicht: Unbenennbarkeit

Vor mir, ganz in stiller Pracht, ist ein Etwas, das sich vergegenständlicht hat in ein Sein. In ein Hier-Sein, ein Vor-Mir-Sein. Es ist. Und ganz zauberhaft dabei. Wie ein Korn Staub in der Zeit, das durch Ferne und Weiten zieht, dass sich treibt durch das dunkel der Ewigkeit. Ewig ist es nicht, dieses Etwas vor mir, auch nur eine Figur im Spiel. Doch voller Schönheit. … Gedicht: Unbenennbarkeit weiterlesen

Ein Gedicht und was sonst noch so ist^^

Hallöchen ihr Lieben! Von mir war eine Weile nix zu hören, da ich, wie bereits erwähnt, im Umzug steckte und mich nun in neuer Stadt mit neuen Menschen im neuen Job zurecht zu finden zu habe… 😊 Das ist ein Unterfangen mit Höhen und kleinen Tiefen… Doch alles in allem aufregen und schön ^^ Direkt um die Ecke ist ein schöner Park an der Havel … Ein Gedicht und was sonst noch so ist^^ weiterlesen

Gedicht: Angriff

Ein großer, schwarzer Bär Steht geifernd hier vor mir. Bläkt Zähne weiß, Brüllend Atem heiß Und Augen voller Gier. Verschlingen will sein Körper mich, Mich fressen, ganz und gar… Will Zerfleischen, mich zerreißen, Bis ich nur noch war… Lahm sind meine Füße Und die Hände völlig taub, Bleib ich zitternd hier nun stehn. Hör mordlüsternd ihn Schnauben, Seh  mich untergehn. Sein Fell verschluckt das Licht … Gedicht: Angriff weiterlesen

Kürzestgeschichte: Wie Esel

Wenn ich jetzt gehen würde, du würdest mich nicht aufhalten. Würdest nicht mit verschränkten Armen in der Tür stehen. Würdest mir nicht nachlaufen und hallenden Schrittes meinen Namen durchs Treppenhaus rufen. Du würdest in deinem Sessel sitzen, würdest sagen: „Ja, dann geh doch einfach!“. Nichts könnte deinen Stolz erweichen. Du würdest nur sitzen und dich über meine Sturheit ärgern. Ich hätte die Tür ins Schloss … Kürzestgeschichte: Wie Esel weiterlesen

Gedicht: Für den, der zu den Sternen flüstert

Einem Grashalm gleich Wiegst du dich im Wind. Umspült vom harten Ton der Zeit Biegst du dich im Strom, Der mit kalten Fingern Lüstern an dir zerrt. Klein bist du da am Boden nun, Wie alles an dir vorüber zieht… Dieser Wind, der dir die Stimme nimmt Und Kraft dir raubt, Der in deine Ohren brüllt, Bis du bist ertaubt. Er spielt mir dir, Du … Gedicht: Für den, der zu den Sternen flüstert weiterlesen

Kürzestgeschichte: Der Abend, als ich bei mir selbst zu Besuch war

Ich gieße mir Tee ein und frage mich, ob ich denn auch recht gut sitze. Wie die Fahrt war, ob beschwerlich oder mit freier Bahn. Ich neige den Kopf, während ich mir zuhöre. Rühre immerfort den längst aufgelösten Zuckerwürfel in der Tasse um. Ich verliere mich im wirbelnden Strudel der dampfend roten Flüssigkeit. Dann Blicke ich auf und muss sehen, wie sich ein Schatten über … Kürzestgeschichte: Der Abend, als ich bei mir selbst zu Besuch war weiterlesen