Textschnipselchen

„Lass uns ruhig und friedlich hier zusammen liegen“, sagte er, „Nein, nicht ruhig, nur friedlich.“ Ich nahm den Kopf von seiner Schulter.„Warum nicht ruhig?“ „Das klingt so, als wären wir gestorben.“ „Hmm.“Ich legte meinen wieder auf seine Schulter, atme den leicht salzigen Geruch, den die Sonne auf seiner Haut hinterlassen hat.„Ich finde, wir können trotzdem ruhig und friedlich hier liegen. Es wäre doch schade, wenn … Textschnipselchen weiterlesen

Kürzestgeschichte: Ein Ende

Ich sollte weinen. Etwas in mir sagt, dass es mehr als angemessen sei. Sogar verpflichtend. Mein Zögern rührt wohl daher, dass ich es bereits ahnte. Damit meine ich nicht, dass ich ahnte, was mit dir los ist oder dass es für dich bald so weit sein würde. Ich bin nur einfach nicht überrascht. Ich rufe mir bereits jetzt alle Erinnerungen ins Gedächtnis, die wir miteinander … Kürzestgeschichte: Ein Ende weiterlesen

Textschnipsel: Falsch adressiert

Er könnte sie schlagen. Sie schütteln und zu Boden werfen. Natürlich könnte er das niemals, nie könnte er sie verletzen, ihr etwas antun. Niemals könnte er sich wünschen, dass sie leidet und doch brodelt in ihm ein Teufel, der alles anzünden will. Ein Teufel, der sie auch schon verletzt hat mit seiner scharfen gespaltenen Zunge, der ihr verbale Peitschenhiebe versetzt hat.Und sie? Sie könnte ihn … Textschnipsel: Falsch adressiert weiterlesen

Textschnipsel: In der Stille der Ton #2

Also kann ich es doch nicht ignorieren, denke ich und vergrabe meine Finger in den Haaren. Ich kratze auf meiner Kopfhaut auf und ab, so, dass ich nur noch das Schaben höre und das Brennen von den Fingernägeln spüre. Doch natürlich höre ich nicht nur das Schaben. Als ich aufhöre, ist schließlich nur noch das Brennen da, das Brennen und der Ton.Der Ton ist laut, … Textschnipsel: In der Stille der Ton #2 weiterlesen

Textschnipsel: In der Stille der Ton

Vielleicht war es schon immer Teil von mir. War in mir verschüttet, lebte im Schatten und ließ mich mich in Sicherheit wähnen. Vielleicht versteckte es sich sogar hinterhältig, hielt sich mucksmäuschenstill, um zum rechten Augenblick zutage zu treten. Das könnte dann auch der Grund dafür sein, dass ich immer in dieser Angst lebte. Als ich Van Gogh’s bandagierten Schädel gesehen hatte, überfiel mich die Angst. … Textschnipsel: In der Stille der Ton weiterlesen

Textschnipsel: Ding-Dong

Das Öffnen der Haustür befördert ihm einen Schwall mit hoher Luftfeuchte gesättigter Luft entgegen. Warm ist sie und von süßlichen Düften durchzogen. Die Frau, die folgt, ganz losgelöst. Ihre Haut augenscheinlich noch weich von heißem Wasser und geschmeidig vom Auftragen diverser Cremes. Haare, die sich nass und kraus in alle Richtungen recken, wie erwachende Schlangen, vom Handtuch zu Leben gerubbelt. Ihre Wangen sind gerötet, doch … Textschnipsel: Ding-Dong weiterlesen

Kürzestgeschichte: Kein Rucksack

Sie schauen alle angestrengt zu ihren Füßen. Oder auf ihr Handy, dass sie schnell aus der Tasche gezogen haben. Es fällt ihnen sehr schwer, denn sie sind alle nervös, zucken bei jedem Schrei zusammen. Dennoch weiter Füße. Oder Handy. Oder Fenster, Sitzkissen, Armbanduhr, was auch immer. Hauptsache nicht den Kopf drehen und zu ihm starren. Es tut ein bisschen in den Ohren weh, ja, in … Kürzestgeschichte: Kein Rucksack weiterlesen

Kürzestgeschichte: Filmreif

Wäre dies der Anfang eines Filmes, so blickten wir wohl von oben auf das Geschehen. Vogelperspektive oder so. Man sähe eine Person schmächtiger Statur, auf einem ranzigen Ledersessel sitzend, zentral im Raum. Keine zwei Meter entfernt: Ein riesiger Fernsehbildschirm, der flackernd das Zimmer mit einem mal kalten, mal warmen Licht übergießt. Thronend hängt er an der Wand, größer als der Wohnzimmertisch, auf dem eine von … Kürzestgeschichte: Filmreif weiterlesen

Kürzestgeschichte: Wie Esel

Wenn ich jetzt gehen würde, du würdest mich nicht aufhalten. Würdest nicht mit verschränkten Armen in der Tür stehen. Würdest mir nicht nachlaufen und hallenden Schrittes meinen Namen durchs Treppenhaus rufen. Du würdest in deinem Sessel sitzen, würdest sagen: „Ja, dann geh doch einfach!“. Nichts könnte deinen Stolz erweichen. Du würdest nur sitzen und dich über meine Sturheit ärgern. Ich hätte die Tür ins Schloss … Kürzestgeschichte: Wie Esel weiterlesen