Kürzestgeschichte: Ein Ende

Ich sollte weinen. Etwas in mir sagt, dass es mehr als angemessen sei. Sogar verpflichtend. Mein Zögern rührt wohl daher, dass ich es bereits ahnte. Damit meine ich nicht, dass ich ahnte, was mit dir los ist oder dass es für dich bald so weit sein würde. Ich bin nur einfach nicht überrascht.

Ich rufe mir bereits jetzt alle Erinnerungen ins Gedächtnis, die wir miteinander teilen und nehme heimlich eine Sortierung vor: Rechts die, die wohl verblassen werden und links jene für meine subjektive Ewigkeit, an die ich in meinen vielen kommenden Jahren denken werde, bis ich dich von Erinnerung nicht mehr zu unterscheiden weiß und ihr eins geworden seid.

Ich versuche es wirklich, zu weinen meine ich, aber es geht nicht. Ich würde dir gern meine Tränen schenken, doch es sind nur meine Gedanken. Vielleicht kommen sie noch. Später, dann, wenn es vorbei ist und ich begreife, was das bedeutet. Wenn ich begreife, was verpasst und niemals nachzuholen ist. Dabei weiß ich, dass du mir nichts je vorwerfen würdest, denn dein Herz ist Liebe. Bitte glaube mir, dass mein Herz Trauer ist, selbst, wenn meine Augen trocken bleiben.

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